Der Mordprozess gegen Niels Högel wurde am Donnerstag fortgesetzt. Der Todespfleger soll über 100 Patienten getötet haben. Bisher zeigte er sich im Prozess geständig und voller Reue für seine Taten. Doch der erste Zeuge am Donnerstag, Arne Schmidt, Kriminaloberrat und Leiter der Soko „Kardio“, zeichnete nun ein ganz anderes Bild vom ehemaligen Krankenpfleger.

Knapp drei Jahre ermittelte die Sonderkommission gegen Högel, um aufzuklären, wie viele Menschen der Krankenpfleger wirklich mit Medikamenten in den Krankenhäusern Delmenhorst und Oldenburg getötet hat. Niels Högel hat im Prozess bisher 43 der 100 ihm vorgeworfenen Taten gestanden. Arne Schmidt hat den Krankenpfleger im Rahmen der Ermittlungen über Tage vernommen und ist sich sicher: Der 41-Jährige lügt über die Anzahl der von ihm begangenen Morde, aber auch darüber, was sein Motiv angeht.

Schwere Vorwürfe erhebt Schmidt auch gegen die Kliniken, in denen Högel gearbeitet hat. Als in Delmenhorst der hohe Verbrauch des Medikaments Gilurytmal, mit dem Högel gemordet haben soll, 2004 auffällt, beschließt eine Kommission, den Zugang zu der Arznei für Krankenpfleger sogar zu erleichtern, anstatt der Ursache auf den Grund zu gehen. Schmidts Fazit: Trotz der Ermittlungen der Sonderkommission bleiben viele Lücken und Fragen offen im Fall Högel, die wohl abschließend nie beantwortet werden können.

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