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Viele Verbraucher sind verunsichert. Der Fleisch- und Wursthersteller Wilke hat mit Listerien verseuchte Ware in Umlauf gebracht. Das Robert-Koch-Institut untersucht derzeit zwei Todesfälle in Hessen sowie 37 Erkrankungen, die mit dem Verzehr der verunreinigten Wurst in Verbindung gebracht werden. Auch bei uns in Niedersachsen sind die Fleischprodukte verkauft worden. 

Foto: Pixabay/Symbol

Am 2. Oktober hat die örtliche Lebensmittelüberwachung die Produktionsstätte der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren (Twistetal-Berndorf in Hessen) geschlossen. Denn zum wiederholten Mal wurden bei Kontrollen des Betriebs Keime (sogenannte Listerien) festgestellt. Die Produkte wurden hauptsächlich in Kantinen, Mensen, Krankenhausküchen, aber auch über Fleischtheken verkauft. Zudem beliefert Wilke andere Firmen, die die Wurstprodukte weiterverarbeiten.

Verbraucher nicht ausreichend informiert

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen kritisiert, dass die veröffentlichten Informationen für Verbraucher absolut unzureichend seien. Neben der Firma Wilke wurden keine Produktnamen, Bilder oder weitere Hersteller bekanntgegeben. Das hat zur Folge, dass Verbraucher verunsichert werden. Die VZNI fordert daher: „Die Behörden müssen alle Produktnamen und Verkaufs- sowie Lieferstätten nennen.“

Inzwischen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowohl eine Marken- als auch eine Produktliste veröffentlicht:

Listerien in landwirtschaftlichen Betrieben weit verbreitet

Listerien sind stäbchenförmige Bakterien der Familie der Listeriaceae. Aufgrund ihrer äußerst guten Anpassungsfähigkeit an die Umwelt sind die Keime weltweit verbreitet und kommen beispielsweise im Erdboden, in Oberflächengewässern, Abwässern, auf Pflanzen und im Verdauungstrakt von Tieren vor. In landwirtschaftlichen Betrieben sind sie also weit verbreitet. So können sie schon bei der Lebensmittelgewinnung – beim Melken oder beim Schlachten – in die Lebensmittel gelangen.

Deshalb sind vor allem rohe, vom Tier stammende Lebensmittel betroffen: Räucherfisch, Rohmilch und Rohmilchprodukte, Käse, Aufschnittwurst, Rohwurst und rohes Hackfleisch. Gemüse kann mit Erde oder tierischem Dünger verunreinigt sein, welche den Erreger enthalten. So können Listerien auch auf Frischgemüse oder Blattsalaten vorkommen.

Wie gefährlich sind die Erreger?

Mit einigen hundert Erkrankten pro Jahr gehört die Listeriose laut Bundesinstitut für Risikobewertung zu den selteneren Lebensmittelinfektionen des Menschen. Für die Betroffenen ist sie allerdings mit einem vergleichsweise schweren gesundheitlichen Schaden verbunden. Die Symptome reichen von leichten, grippeähnlichen Erkrankungen bei gesunden Erwachsenen über systemische Infektionen bis hin zu Hirnhaut- und Gehirnentzündungen mit einem hohen Anteil an tödlichen Verläufen bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr. Gefährlich wird’s auch für Kranke und Ältere, Säuglinge und Kleinkinder sowie Schwangere: Fehl- oder Frühgeburten können die Folge sein und Neugeborene kommen oft mit schweren Schäden zur Welt.

Das sollten Sie jetzt tun

Die Verbraucherzentrale rät: Verzehren Sie auf keinen Fall Fleisch oder Wurstprodukte mit dem Zeichen „DE EV 203 EG“ (siehe Bild). Vernichten Sie die Ware oder bringen Sie sie zum Händler zurück. Sie bekommen Ihr Geld erstattet. Erhitzen oder garen Sie alle Produkte, die Fleisch und Wurstwaren enthalten, bei über 70 Grad Celsius gut durch. Erhitzen tötet die Erreger ab. Informieren Sie sich zudem bei Ihrer Verkaufsstätte. Einige Hersteller, die Produkte der Firma im Verkauf hatten, haben schon Informationen bereitgestellt:

Krankheitsfälle auch in Niedersachsen

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, haben die Erreger möglicherweise auch in Niedersachsen Krankheiten verursacht. Ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes sagte am Dienstag, insgesamt seien drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurden, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb Wilke steht.

Laut Landesgesundheitsamt sind die Erkrankten zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben: Einer starb an einer anderen Erkrankung und bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. „Ob die drei Menschen auch Wurst der Firma Wilke gegessen haben, wissen wir nicht“, sagte der Sprecher.

 

BfR / VZNI / dpa / gls

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