Leiterin von Gedenkstätte zu Antisemitismus: „Hemmschwelle weit heruntergegangen“

Elke Gryglewski, Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Foto: Ole Spata/dpa

Die Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Elke Gryglewski, hat die Politik dazu aufgefordert, deutlicher gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus Stellung zu beziehen. Es sei sehr besorgniserregend, dass es Teilnehmern von Protesten gegen staatliche Corona-Maßnahmen nichts ausmache, dass auch rechtsextreme Gruppen diese Demonstrationen begleiteten.

„Das ist etwas, was man mit großer Aufmerksamkeit verfolgen muss, um zu sehen, wohin sich das entwickelt“, sagte die Politologin, die seit Januar auch neue Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist.

Vergleiche der Corona-Beschränkungen mit Judenverfolgung beunruhigend

Die 55-Jährige beunruhigen krude Vergleiche der Corona-Beschränkungen mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. „Man sollte mit der jüdischen Community in Verbindung treten, was es für sie bedeutet, dass bei den Demonstrationen Davidsterne angeheftet werden“, sagte Gryglewski. Erst vor kurzem sei bei einer Demonstration in Dachau ein Plakat mit einem Sophie-Scholl-Zitat getragen worden. „Da sprechen wir von einem Ort mit einer KZ-Gedenkstätte, der sich permanent mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt. Dies zeigt, dass die Hemmschwelle sehr weit heruntergegangen ist.“ Sophie Scholl wurde wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus hingerichtet.

Gryglewski: Problematisches Gedankengut aus vermeintlicher Mitte der Gesellschaft

Judenfeindliches und rechtsextremes Gedankengut sei schon immer präsent gewesen, sagte Gryglewski. Seit die AfD im Bundestag sitze, werde es aber zunehmend auch von Menschen geäußert, die für sich in Anspruch nehmen, aus der Mitte der Gesellschaft zu kommen, sagte sie.

Online-Event zur Befreiung des KZ Bergen-Belsen

An diesem Donnerstag (15. April) jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide zum 76. Mal. Wie schon 2020 wird es Corona-bedingt nur eine kleine Gedenkveranstaltung geben, die im Internet übertragen wird.

Mehr Infos auf der Gedenkseite Bergen-Belsen 

 

Mit dpa

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