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Sie haben etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung schon mehrmals geplagt: pochende, stechende oder drückende Kopfschmerzen. Der heutige Kopfschmerztag möchte daran erinnern. Dabei ist der Griff zur Schmerztablette nicht immer sinnvoll. Wer gelegentlich unter Kopfschmerzen leidet, muss nicht immer sofort zur traditionellen Schmerztablette greifen. Wir zeigen Ihnen die Alternativen und sprechen mit Experten.

Was sind Kopfschmerzen überhaupt?

Ein heftiges Pochen an den Schläfen, ein drückender Schmerz am Hinterkopf oder an der Stirn – Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Zum Arzt führen Kopfschmerzen, wenn sie besonders stark, anhaltend oder häufig sind und sich nicht durch die gelegentliche Einnahme eines Schmerzmittels behandeln lassen. Oftmals geht der Schmerz mit einer erhöhten Lärm- und Lichtempfindlichkeit einher. Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Sehstörungen treten eher selten auf. Im Durchschnitt halten die Schmerzen zwischen einer halben Stunde und wenigen Tagen an. Die häufigsten Kopfschmerzarten sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne. Von letzterer ist allein jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann betroffen.

Wichtig ist jedoch vor allem eine korrekte Diagnose, denn nicht alle Kopfschmerzen brauchen die gleiche Behandlung. Was bei der einen Kopfschmerzart wirkt, hilft bei der anderen nicht. Damit der Arzt diese stellen kann, ist es ratsam, den Schmerz zu dokumentieren. Wichtige Fragen sind hierfür unter anderem: Ist der Schmerz stechend oder dumpf? Geht er mit Übelkeit einher? Wie häufig tritt er auf und in welchen Situationen? Wie oft wurden Schmerzmedikamente eingenommen?

Kinder greifen früh zum Schmerzmittel

Auch Kindern bleibt der Schmerz oft nicht erspart: Durch einer Erhebung der internationalen Kopfschmerzgesellschaft wurde bekannt, dass mehr als zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen regelmäßig Kopfschmerzen haben. Bei den Oberschülern lag der Anteil sogar bei fast 80 Prozent. Einen Arzt suchten jedoch nur die wenigsten auf – was auch zeigt, dass Kopfschmerzen in unserer Gesellschaft nicht als „echte“ Krankheit wahrgenommen werden.

Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 19 Jahren greifen vermehrt zur Tablette. Dies belegt eine Online-Umfrage der Barmer Krankenkasse Foto: Barmer

Eine repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der BARMER belegt einen bedenklichen Tablettenkonsum, der bereits bei den Kleinsten beginnt. Bei Kopfschmerzen nehmen 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 9-19 Jahren Medikamente ein. Davon geben 42 Prozent an, meistens bzw. jedes Mal Medikamente gegen die Schmerzen zu nehmen.

Medikamente gegen Kopfschmerzen führen zu Kopfschmerzen

Dabei können Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Werden bei Kopfweh zu häufig Tabletten eingenommen, also über drei Monate hinweg mehr als zehnmal im Monat, können die Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen. „Daher lohnt es sich, auch nichtmedikamentöse Maßnahmen auszuprobieren“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, ein international renommierter Kopfschmerzexperte. Die DGN empfiehlt deshalb bei Spannungskopfschmerzen unter anderem die Biofeedback-Therapie oder Entspannungs- und Verhaltenstherapien. Hier kann es auch oft helfen, großflächig auf Nacken und Schläfen Pfefferminzöl aufzutragen. Bei besonders schweren Fällen von Spannungskopfschmerzen könnten Medikamente helfen, dann aber nicht Schmerzmittel, sondern eine Dauertherapie mit Amitriptylin, einer Substanz, die eigentlich der Klasse der Antidepressiva angehört, schlägt die DGN vor.

Ausdauersport und Verzicht auf Rotwein gegen Migräne

Auch bei Migräne, einer Kopfschmerzform, unter der immerhin jede fünfte Frau und fast jeder zwölfte Mann leidet, sollte eine medikamentöse Therapie immer auch durch eine Therapie ohne Medikamente ergänzt werden. „Durch das Vermeiden von bekannten individuellen Triggern, wie z.B. visuellen Reizen oder Rotwein, dem regelmäßigen Ausdauersport und mit Entspannungsverfahren schaffen es viele Patienten mit Migräne, ihre Anfallsfrequenz so zu senken, dass sie nicht an mehr als 10 Tagen Medikamente einnehmen müssen. Kommt es aber zu einem Migräneanfall, ist es wichtig, so früh wie möglich die Tabletten einzunehmen, dann sind sie wirksamer“, unterstreicht Experte Prof. Dr. Hans-Christoph.

Weitere Informationen zum Thema Kopfschmerz und den Behandlungsmöglichkeiten finden Sie bei der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e.V.

DGN / Marit Langschwager

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