Keine Streiks mehr: Tarifeinigungen bei Stadtbussen in Schleswig-Holstein und VHH

Busse der Kieler Verkehrs Gesellschaft (KVG) stehen im Depot. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild

Pendler:innen drohen erst einmal keine weiteren Warnstreiks im Busverkehr der vier Städte Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg (Schleswig-Holstein). Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich am Mittwochabend auf einen Tarifvertrag, wie die Gewerkschaft Verdi und der kommunale Arbeitgeberverband mitteilten. Zuletzt mussten Fahrgäste wegen Warnstreiks an den Wochenenden wiederholt Alternativen suchen.

Verringerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnverlust

Der Tarifabschluss sieht eine stufenweise Verringerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnverlust bis 2028 auf 37,5 Stunden sowie einen zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr ab 2024 vor. Durch einen weiteren bezahlten Erholungstag pro Jahr ab 2028 ergibt sich laut Gewerkschaft eine wöchentliche Arbeitszeit von 37 Stunden. Durchgehende Dienste der Busfahrer:innen sollen maximal zehn Stunden und geteilte Dienste höchstens zwölf Stunden dauern. In Ausnahmen sind bis 13 Stunden möglich. Der neue Vertrag läuft bis Ende 2025. Die Regelungen zur Urlaubs- und Arbeitszeit können erstmalig zum Jahresende 2029 gekündigt werden.

„Das war ein hartes Stück Arbeit, und dieser Kompromiss ist wegweisend für die Tarifabschlüsse in allen Nahverkehrsunternehmen, bundesweit“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Sascha Bähring. Die Arbeitsbedingungen verbesserten sich deutlich.

„Beide Seiten sind in der fünften Verhandlungsrunde aufeinander zugegangen und haben in konstruktiven Gesprächen zielorientiert das vereinbarte Maßnahmenpaket gefunden“, sagte der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands, Jan Jacobsen. Der stellvertretende Vorsitzende des zuständigen Fachausschusses, Andreas Schulz, betonte: „Wir sind bei dieser Einigung über die Grenzen des Machbaren gegangen“. In Zeiten des Facharbeiter:innenmangels bleibe die Absenkung der Arbeitszeiten schwierig. „Wir haben jedoch die Hoffnung, dass wir mit den gefundenen Regelungen die Attraktivität der Arbeitsbedingungen, insbesondere die des Fahrpersonals, so verbessert haben, sodass wir flankiert von intensiven Ausbildungsbemühungen mehr Personal akquirieren.“ Das Tarifergebnis steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Gremien.

Auch VHH einigt sich mit Verdi

Kürzere Dienste, Weihnachten und Silvester als dienstfreie Tage und mehr Zuschläge: Das sind einige Details des neuen Manteltarifvertrages für die Busfahrer:innen sowie Mitarbeitenden der Verkehrsbetreibe Hamburg-Holstein GmbH (VHH). Auf diesen haben sich der VHH und die Gewerkschaft Verdi geeinigt, wie die VHH am Donnerstag mitteilte. Er soll rückwirkend zum 1. Januar gelten und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Damit wird es zunächst keine Warnstreiks mehr im öffentlichen Nahverkehr in Hamburg geben. Nicht verhandelt wurde über das Gehalt der Angestellten, denn der Entgelt-Tarifvertrag läuft noch bis Jahresende und wird erst 2025 neu verhandelt, wie ein Verdi-Sprecher sagte.

Die Verhandlungspartner haben sich den Angaben zufolge für den Manteltarifvertrag auch auf einen höheren Urlaubsanspruch ab 2025 geeinigt. Schon 2024 aber gelten der 24. und 31. Dezember als dienstfrei. Nacht-, Sonn und Feiertagszuschläge werden demzufolge schon ab April mindestens verdoppelt.

Zuletzt hatten die Mitarbeitenden der Verkehrsbetriebe am vergangenen Wochenende für 72 Stunden die Arbeit niedergelegt, um den Forderungen der Gewerkschaft Nachdruck zu verleihen. 2.500 Menschen sind bei dem Busunternehmen angestellt. Die VHH bedient rund 170 Buslinien in Hamburgs Norden und im schleswig-holsteinischen Umland der Hansestadt.

SAT.1 REGIONAL/dpa

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