Karstadt-Warenhaus in Goslar soll doch erhalten bleiben – Beschäftigte protestieren in Bremen und Hamburg gegen Schließung

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft ums Überleben. Der Konzern schreibt rote Zahlen und die Verhandlungen für eine Rettung gehen nun in die heiße Phase. Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL

 

Die Goslarer Filiale von Karstadt soll entgegen früheren Schließungsplänen jetzt doch erhalten bleiben. Sie ist einer von bundesweit sechs Standorten, die Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) nach Zugeständnissen der Vermieter weiterbetreiben will.

In schwierigen Verhandlungen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen, teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Miguel Müllenbach, am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter mit. In Hannover und Bremerhaven sollen Karstadt-Häuser nach bisherigem Stand dagegen weiter dichtgemacht werden – ebenso wie die Kaufhof-Filialen in Braunschweig, Bremen und Osnabrück.

Ursprünglich hatte GKK angekündigt, 62 der 172 Warenhäuser, 20 der 30 Karstadt-Sports-Häuser sowie bis zu 24 Filialen von Karstadt Feinkost schließen zu wollen. Laut Müllenbach gibt es für die nun noch 56 bedrohten Warenhäuser wegen hoher Mieten und Standortnachteilen weiterhin «keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive». Nach Umsatzeinbrüchen in der Corona-Krise musste das bereits seit längerem angeschlagene Unternehmen seinen Sanierungskurs verschärfen.

Protest in Hamburg und Bremen

Vier der sieben Filialen in Hamburg sollen schließen. Geschlossen werden Verdi zufolge die Filialen Galeria Karstadt Kaufhof Mö (ehemals Kaufhof), AEZ, Bergedorf und Wandsbek, wie Verdi am Freitag in der Hansestadt mitteilte. Weiter in Betrieb bleiben demnach das Karstadt-Haus in der Mönckebergstraße sowie die Standorte Eimsbüttel und Harburg. In Wandsbek demonstrieren am Freitag erneut Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof gegen die geplanten Schließungen von vier der sieben Standorte in Hamburg. Es soll ein stiller Protest werden.

Auch in Bremen gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Freitag auf die Straße. Nach der Filiale von Galeria Kaufhof soll auch das Geschäft von Karstadt Sports schließen. Nun protestieren sie gegen den Verlust ihrer Arbeitsstellen.

5.000 Stellen stehen auf der Kippe

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft in der Corona-Krise ums Überleben, dem Konzern brechen die Umsätze weg. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der Konzern gehört ebenso wie zahlreiche seiner Warenhaus-Immobilien der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko.

Die Schließungspläne für die Warenhäuser seien Teil einer Einigung auf einen Sanierungstarifvertrag zwischen Management, Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi, hatten Insider am Donnerstag vergangener Woche gesagt. Demzufolge stehen bei den Warenhäusern durch die Schließungspläne allein mindestens 5000 Stellen auf der Kippe. Für die Betroffenen solle es einen Sozialplan geben.

 

Mit dpa

 

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