Kaltenkirchnerin näht kostenlos Masken zum Selbstabholen

Manuela Andersen-Bendlin aus Kaltenkirchen näht fast täglich 80 bis 100 Behelfsmasken für den Alltag, hängt sie gesammelt an eine Wäscheleine bei sich an die Haustür und am nächsten Tag sind alle Masken weg. „Jeder kann sich kostenlos eine Maske bei mir abholen“, erklärt die Mutter zweier Kinder. 

Masken zum selbstabholen hängen an der Tür von Familie Andersen-Bendlin. Foto: Manuela Andersen-Bendlin

Es ist zum Familienprojekt geworden

Bei Manuela Andersen-Bendlin ist die ganze Familie in die Mundschutz-Produktion eingebunden. Während die 38-Jährige tagsüber arbeiten ist, kümmert der älteste Sohn sich um das Waschen der neu eingetroffenen Stoffe. Der Papa schneidet die Stoffe passend zu und der Jüngste bügelt sie ordentlich zurecht. Wenn die Mutter dann am Abend nach Hause kommt, liegt genug Material für neue Masken bereit und sie klemmt sich für fünf bis sechs Stunden am Stück hinter die Nähmaschine, bevor es dann ins Bett geht.

Bislang waren in Schleswig-Holstein Ferien, das Konzept ging gut auf. Seit Montag hat die Schule wieder begonnen. Für die Kids heißt das Homeschooling, also Schule per Videokonferenz und anschließend Hausaufgaben mit Mama oder Papa. „Da werde ich keine 80 bis 100 Masken am Tag mehr schaffen. Aber 50 Stück müssten auf jeden Fall drin sein“, sagt die Bürokauffrau aus Kaltenkirchen, die selbst an einer Autoimmunkrankheit leidet und die Ausbreitung des Virus deshalb schon früh intensiv verfolgt hat.

Manuela Andersen-Bendlin näht nach der Arbeit Behelfsmasken. Foto: Manuela Andersen-Bendlin

Seit gut fünf Wochen geht sie bereits nur noch mit Mundschutz einkaufen: „Dabei wurde ich immer komisch angesehen, weil ich die Einzige war. Das wollte ich ändern, deshalb habe ich angefangen die Masken zu nähen.“ Im Internet stieß sie auf einen Aufruf der Stiftung „KinderHerz“, die 300 Masken benötigten und nahm den „Auftrag“ an. Die begeisterte Näherin hatte dafür noch genug Stoffreste vorrätig. Anschließend nähte sie Masken für die Familie, Nachbarn und Freunde und mit der Zeit wurde daraus ein Großprojekt, in das sie sehr viel Herzblut investiert. Seit drei Wochen steht die Nähmaschine nicht mehr still.

Wenn ich diese Maske trage, um euch zu schützen, warum tut ihr das nicht auch?

„Ich wollte die Maske wegen meiner Erkrankung zum Selbstschutz tragen, einfach, weil ich mich damit sicherer fühle, auch wenn sie nur andere und nicht wirklich mich selbst schützt. Im Endeffekt hat es aber doch geholfen, da die Leute alle einen großen Bogen um mich machten, wenn sie die Maske vor meinem Mund sahen“, erzählt die Kaltenkirchenerin vergnügt. Für sie ist es eine Sache der Solidarität, des gemeinschaftlichen Zusammenhalts: „Ich war auch immer mal wieder wirklich verärgert, weil ich mir dachte, wenn ich diese Maske trage, um euch zu schützen, warum tut ihr das dann nicht auch, um mich zu schützen?“

Inzwischen laufen in Kaltenkirchen und Umgebung viele Menschen mit dem Mund-Nasen-Schutz herum. Das ist auch ein Verdienst von Manuela Andersen-Bendlin. Sie erhofft sich viele Nachahmer und hat in der Facebook-Gruppe „Handmade Mundschutz“ auch schon sehr viele Näherinnen und Näher gefunden, die es ihr gleichtun. Knapp 16.000 Mitglieder hat die Gruppe in kürzester Zeit zusammengebracht. Ob ein Mitglied drei, 30 oder 300 Masken näht ist dabei ganz egal. Wichtig ist nur, dass die Masken nicht zu gewerblichen Zwecken angeboten werden.

Eine neue Ladung Behelfsmasken. Manuela Andersen-Bendlin näht täglich 80 bis 100 Masken. Foto: Manuela Andersen-Bendlin

Manuela Andersen-Bendlin bietet ihre Masken vollkommen kostenlos an, über eine kleine Spende, um davon neue Stoffe und Gummibänder erwerben zu können, freut sie sich trotzdem. Deshalb hat sie eine kleine Spendenkasse neben die Wäscheleine mit den Masken gestellt, so kann jeder zahlen, was ihm die Maske wert ist. „Die Kosten für die Materialien bekomme ich auf jeden Fall wieder rein und das Geld, was obendrauf eingenommen wird, wandert eins zu eins in neue Stoffe, so dass wir fleißig weiter Behelfsmasken nähen können.“

Viel Schlaf bekommt die 38-Jährige aktuell nicht. Jetzt, wo in Schleswig-Holstein ab dem 29. April auch eine Pflicht zum Tragen von Masken im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen gelten soll, hofft Manuela Andersen-Bendlin auf weitere Nähunterstützung im Land.

 

Andrea Marie Eisele

 

Hamburg und Schleswig-Holstein ziehen nach: Maskenpflicht ab dem 27. und 29. April

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