IfW Studie: Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein verdienen mit am wenigsten

Schleswig-Holstein hat es schwer, wenn es um gut bezahlte Jobs in der Region geht: Beim Einkommen verlieren die Beschäftigten in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft im Bundesvergleich weiter an Boden. Zu der Erkenntnis kommt eine Studie, die das Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Arbeitnehmerentgelte seien bereits die niedrigsten aller westdeutschen Bundesländer und entfernten sich weiter vom Bundesschnitt. Wir geben einen Überblick über die exklusiven Zahlen.

Schlusslicht ist Schleswig-Holstein

Den Experten zufolge hat die Wirtschaft in Schleswig-Holstein in den untersuchten Jahren zwischen 2010 und 2018 zugelegt: Sie wuchs pro Jahr um 1,7 Prozent. Zudem hatten im vergangenen Jahr so viele Menschen im Land einen Job wie seit der Deutschen Einheit nicht mehr. Das Problem ist jedoch, dass der Anteil sehr produktiver und gut bezahlter Jobs in der Industrie geschrumpft sind. Hinzu kommt eine höhere Teilzeitquote als auf Bundesebene. Sie wuchs von 18 Prozent in den frühen 2000er Jahren auf jetzt 31 Prozent. Daher beziehe ein größerer Teil der Beschäftigten nur ein relativ geringes Einkommen.

Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer im nördlichen Bundesländervergleich 2018
Grafik:17:30 SAT.1 REGIONAL

Das durchschnittliche Bruttogehalt des Schleswig-Holsteiners lag laut der Untersuchung im vergangenen Jahr bei 38.000 Euro. Das bedeutet im bundesweiten Vergleich Platz 11 von 16. Im Vergleich zu den Bundesländern im Norden, bildet Schleswig-Holstein sogar das Schlusslicht beim Pro-Kopf-Einkommen. Nur die ostdeutschen Bundesländer schneiden noch schlechter ab. Zum Vergleich: Hamburg lag mit knapp über 50.000 Euro ganz vorne. Der Schnitt in ganz Deutschland betrug 43.000 Euro.

Im Zeitraum von 1991 bis 2018 haben sich die Arbeitnehmerentgelte in Schleswig-Holstein und Deutschland immer weiter auseinander entwickelt: Während noch zu Beginn der 1990er Jahre Schleswig-Holsteins Arbeitnehmerentgelte in etwa dem Bundesdurchschnitt entsprachen, erreichten diese 2018 mit knapp 38.000 Euro pro Jahr lediglich 88 Prozent des deutschen Werts von knapp 43.000 Euro.

Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein und Deutschland 1991–2018
Grafik: 17:30 SAT.1 REGIONAL

Empfehlung: Zusammenarbeit mit Hamburg entwickeln

Die schwache industrielle Basis und relativ wenig gut bezahlte Dienstleistungsjobs reichten nicht aus, um bei den Einkommen im Ländervergleich nach oben zu klettern, sagte Studienautor Klaus Schrader. „Die Analyse wirft Fragen für die Standortpolitik des Landes auf.“

Die Zahl der Start-ups und Anmeldungen internationaler Patente sei eher niedrig, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung unterdurchschnittlich. An diesen Schwächen müssten Initiativen ansetzen, um die Zahl attraktiver Arbeitsplätze zu steigern und Anreize für den Verbleib gut ausgebildeter Fachkräfte zu schaffen. Das IfW empfiehlt unter anderem, stärker Synergien mit Hamburg zu entwickeln, die über den unmittelbaren Hamburger Rand hinausgehen.

Wenn Sie mehr über Einkommensverhältnisse in Deutschland und der Region erfahren möchten, können Sie auch die Seite des „VWI Einkommensmonitor“ besuchen.

mala 

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