Humor statt Angst: Wieso immer mehr Songs zum Coronavirus das Netz erobern

Das Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus. Viele Menschen sind besorgt. Im Internet kursieren sogar Songs zum Coronavirus. Foto: 17:30 SAT.1 REGIONAL

Viele Menschen sorgen sich um die Ausbreitung des Coronavirus. Viele Bürger scheinen die Nerven zu verlieren – die Verunsicherung steigt. Das ist auch an dem Anstieg von Hamsterkäufen zu erkennen. Manchmal fragt man sich allerdings, was schlimmer ist – das Virus oder die Angst? Denn es gibt auch andere Mittel, um die Angst zu mindern. Eines ist zum Beispiel Humor. Denn das Internet beginnt derweil, sich über die Angst vor dem Coronavirus lustig zu machen. In den sozialen Netzwerken kursieren mittlerweile sogar verschiedene Songs zum Coronavirus. Mit Ohrwurm-Potential.

Vietnamesischer Song wird zum Virus-Hit

Das vietnamesische Institut für Gesundheit und einige vietnamesische Musiker haben auf Youtube ihre eigenen Songs veröffentlicht. Das Lied ist in kürzester Zeit zum Mega-Hit geworden: Es hat schon mehr als 11 Millionen Klicks auf Youtube.

In dem Song wird das Virus kurz und knapp erklärt. Und dann folgen auch schon Tipps: „Wasch deine Hände, reib sie gleichmäßig“, trällern die kleinen grünen Monster. Diese sind natürlich auch mit einem Mundschutz ausgestattet. Dazu animierte Figuren, die sich die Hände waschen oder den „bösen“ Virus einfach wegschnipsen.

Junge Heinsbergerin singt von der kranken Annette

Auch eine junge Frau aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg – wo es besonders viele Infizierte gibt – hat einen Song zum Coronavirus geschrieben. Die Melodie von „Vincent“ von Sarah Connor hat sie kurzerhand umgeschrieben. Hier singt sie stattdessen von der erkrankten Annette: „All ihre Freunde sagen, geh bloß weg, du hast dich sicher mit Corona angesteckt“.

Sie mahnt dabei aber auch zur Besonnenheit: Nicht jeder mit Grippe-Symptomen ist mit dem Coronavirus infiziert. Auch auf die Hamsterkäufe reagiert die junge Heinsbergerin mit punktierten Zeilen, wie „Einkaufswagen voll, die Regale leer, die Epidemie kann ihm gar nichts mehr.“

Bekannte Songs umgedichtet

Auch von dem bekannten „Sound Of Silence“ von Simon & Garfunkel gibt es eine Virus-Parodie. Alvin Oon hat das Lied in „Fight The Virus“ umbenannt. In dem Song berichtet er von der Verbreitungsgeschichte der Epidemie und die Sorgen der Menschen. Zu seinem Video erklärt er: „Ich möchte dieses Video nur teilen, um das Wissen zu verbreiten und andere Menschen in dieser verheerenden Situation ruhig zu halten.“

Das Phänomen „Wir gegen den Virus!“

Wieso kommen die witzigen, einprägsame und skurillen Hits im Netz so gut an? Professor Dr. Hans-Peter Erb von der Helmut Schmidt Universität in Hamburg versucht eine Antwort darauf zu geben: „Musik kann helfen eine gemeinsame Identität zu stiften. Im vorliegenden Fall also: Wir gegen das Virus.“ Vor allem sei Musik ein zusätzlicher Kanal, um Informationen für Menschen besser und einfacher greifbar zu machen.

„Das liegt daran, dass eingängige Melodien vom Gehirn einfacher verarbeitet werden als komplizierte Sprache. Es wird ein positives Gefühl der Leichtigkeit in der Verarbeitung einer solchen Information mit dem eigentlichen Gegenstand der Kommunikation verknüpft,“ erklärt der Sozialpsychologe.

Der 20-Sekunden-Händewaschen-Song

Die Botschaft ist klar: Händewaschen, was das Zeug hält. Damit sich Covid-19 nicht weiter verbreitet, lautet eine der offiziellen Präventionsmaßnahmen: immer ordentlich Hände waschen, am besten für 20 bis 30 Sekunden. Das scheint mit den richtigen Dancemoves noch besser zu gehen. Darum stellen immer mehr Menschen ihren persönlichen „Händewaschen-Songs“ zusammen.

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention haben zum Beispiel direkt eine gute Eselsbrücke gebaut: 20 Sekunden, das ist in etwa so lang, wie es dauert, Happy Birthday zweimal hintereinander zu singen.

Ob also „Happy Birthday“ oder „I Wanna Wash Your Hand“ von den Beatles – Händewaschen bleibt das Zauberwort. Denn solange man sich beim Waschen an die 20-Sekunden-Regel hält – egal, welcher Song es schließlich wird – hat das Virus wenig Chancen, sich einzunisten.

Marit Langschwager

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