Corona-Veranstaltungsverbot: Schlagermove abgesagt, Reeperbahn Festival soll trotzdem stattfinden

Eindrücke vom Reeperbahn Festival 2019. Foto: Dario Dumancic/Archiv

Auch nach der von Bund und Ländern am Mittwoch beschlossenen Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen geht die Hamburger Kulturbehörde weiter davon aus, dass Veranstaltungen wie das Reeperbahn Festival im September stattfinden können. Bei den von den Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besprochenen Großveranstaltungen gehe es um andere Formate als die, „über die wir gerade mit dem Reeperbahn Festival, dem Filmfest, Harbour Front (Literaturfestival) und anderen nachdenken“, sagte Behördensprecher Enno Iseramann. „Es ist geplant, dass diese unter den geltenden Corona-Regelungen stattfinden sollen.“

Schlagermove 2020 fällt aus

Schlagerfans hingegen müssen ganz stark sein: Der Hamburger Schlagermove fällt 2020 wegen der Corona-Pandemie aus. Die Kult-Veranstaltung ist auf den 2. und 3. Juli 2021 verschoben worden, wie der Veranstalter am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Das „Festival der Liebe“ fällt damit wie viele andere Veranstaltungen auch der Verlängerung des Verbotes von Großveranstaltungen bis Ende Oktober zum Opfer. Damit fällt der Schlagermove erstmals seit seinem Start 1997 aus. Zuletzt war die ursprünglich für Mitte Juli geplante Riesenparty durch die Hansestadt coronabedingt bereits auf den 4./5. September verlegt worden. Beim Schlagermove ziehen etwa 50 Trucks auf einer Strecke von fast 3,5 Kilometern durch St. Pauli. Bei der 23. Ausgabe des „Karnevals des Nordens“ im Sommer 2019 zählten die Veranstalter eigenen Angaben zufolge rund 350 000 Besucher.

Reeperbahn Festival als „Experimentierfeld“

Kultursenator Carsten Brosda (SPD) will Kultur unter den geltenden Corona-Regeln wieder möglich machen und sieht das Reeperbahn Festival auch als „Experimentierfeld“ dafür, „was denn gehen kann und wie fühlt es sich an“. Zu dem mehrtägigen Musikspektakel und Branchentreff waren im vergangenen Jahr nach Angaben der Veranstalter mehr als 50.000 Gäste gekommen.

„Wir bleiben auf einem sehr vorsichtigen Kurs“

Bund und Länder beschlossen bei dem Treffen in Berlin, Großveranstaltungen grundsätzlich bis mindestens Ende Oktober zu verbieten. Dies gelte für solche Veranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich seien, hieß es. Die nur noch geringe Zahl an Corona-Neuinfektionen „darf uns nicht zu dem Irrtum führen, dass wir die Dinge weniger ernst nehmen“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Anschluss an das Treffen mit der Kanzlerin. „Wir bleiben auf einem sehr vorsichtigen Kurs, denn noch haben wir keine Impfung, noch haben wir kein Medikament und keine natürliche Immunität. Wir müssen weiter sehr, sehr vorsichtig durch diese Pandemie steuern.“

„Zweite Welle“ von Infektionen vermeiden

Man sei heute „noch aufmerksamer als früher“, sagte Tschentscher. Man habe eine Teststrategie, eine App und ein öffentliches Gesundheitswesen, das schon jetzt sehr viel besser ausgestattet sei und für das man über weitere technische und personelle Unterstützung sprechen werde. Es sei Konsens bei allen Ländern und beim Bund, die „zweite Welle“ von Infektionen dadurch zu vermeiden.

Tschentscher lobt Corona-Konjunkturprogramm

Der Bürgermeister lobte das Corona-Konjunkturprogramm der Bundesregierung, an das die Länder nun mit eigenen Programmen anknüpfen könnten. Dabei würden „die wichtigen Zukunftsthemen, die vor Corona wichtig waren, die jetzt noch dringlicher sind, gleich mit vorangebracht.“ Als Beispiele nannte er die E-Mobilität und die Wasserstofftechnologie.

mit dpa

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