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Foto: Pixabay

Gender Pricing. Pink Tax. Diese Begriffe bedeuten schlicht nichts anderes als: Es ist teuer, eine Frau zu sein. Das zeigt sich vor allem beim Kauf von Kosmetikprodukten und darauf möchte die Verbraucherzentrale Hamburg nun mit einer eigenen Beauty-Serie aufmerksam machen.

Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer. Gleichzeitig müssen sie für manche Drogerieartikel bis zu 100 Prozent mehr zahlen als das männliche Geschlecht. Dabei sind Inhaltsstoffe und Zusammensetzung der Produkte nahezu identisch, auch wenn deren Verpackungen sich durch Farbe, Form und Schrift geschlechtsspezifisch unterscheiden. Auch für Dienstleistungen (z.B. Friseur oder Textilreinigung) muss das weibliche Geschlecht höhere Preise zahlen, obwohl sich die Angebote inhaltlich kaum unterscheiden.

Wie kann das sein?

Da Frauen laut Studien weniger preissensibel sind und bereit, mehr Geld für ihr Äußeres auszugeben als Männer, werden ihnen manche Pflegeprodukte teurer verkauft. In vielen Produktgruppen gibt es zahlreiche preisgleiche Varianten, bei denen weder Frauen noch Männer benachteiligt werden. Aber vor allem für Rasierprodukte und Parfüms müssen Frauen oft erheblich mehr zahlen. Das spiegeln auch die Ergebnisse der Marktchecks der Verbraucherzentrale zu Frauen- und Männerprodukten wider. Die Höhe der geschlechtsspezifischen Preisunterschiede ist in vielen Fällen nicht zu rechtfertigen – selbst dann nicht, wenn die Inhaltsstoffe variieren, denn sie machen oft nur einen Bruchteil der Herstellungskosten aus.

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Bei elf unterschiedlichen Rasierprodukten aus Drogerie­märkten waren die Preise laut Marktcheck durchschnittlich knapp 38 Prozent höher für die Frauen­variante. Ein Rasierschaum der Marke „Isana“ wird sogar mit einem Frauenaufschlag von über 100 Prozent bei Rossmann verkauft. Zwei Eau de Toilette schlagen in der stichprobenartigen Erhebung mit einem Aufpreis von 24 Prozent („bruno banani“) und 57 Prozent (Eau de Toilette von „Mexx“) zu Buche.

> Hier geht es zum Preisvergleich, Stand: Januar 2019, Stichproben in einzelnen Filialen in Hamburg

Auch in den vergangenen Jahren hat die Verbraucherzentrale schon solche Marktchecks durchgeführt. Es habe sich jedoch kaum etwas verändert. Zwar haben sich die Preisunterschiede bei Pflegeartikeln zwischen einigen Frauen- und Männer-Produkten im Vergleich zu heute reduziert, sie sind aber trotzdem weiterhin vorhanden. Eine prinzipielle Abkehr vom sogenannten Gender Pricing, also der Preisdifferenzierung nach Geschlecht, die sich viele Frauen wünschen, ist laut VZHH nicht festzustellen.

Auch bei Dienstleistungen ist „Frauenvariante“ oft teurer

Eine im Dezember 2017 veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungstelle des Bundes belegt ebenfalls: Frauen werden bei Dienstleistungen wie einem Kurzhaarschnitt beim Friseur oder beim Reinigen von Blusen benachteiligt. Es gibt Preisunterschiede nach Geschlecht, wobei die Frauen für die gleiche Leistung mehr zahlen müssen. Laut Erhebung waren 50 Prozent der 381 untersuchten Dienstleistungen für Frauen teurer, für Männer waren es nur 9 Prozent. Der durchschnittliche Preisaufschlag lag für Frauen bei 13,80 Euro, bei Männern nur bei 7,50 Euro. Männer mussten beispielsweise in Waxing-Studios mehr bezahlen. Auch im Einzelhandel wurden Preisunterschiede für Frauen- und Männerprodukte erhoben, die aber deutlich seltener vorkommen: Bei 2,3 Prozent der 1.682 untersuchten Artikel war die „Frauenvariante“ teurer. Männer mussten nur bei 1,4 Prozent der Produkte mehr bezahlen.

Die „Equalicare“-Creme mit der unterschiedlich gestalteten Vorder- und Rückseite. Foto: Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh)

Kampagne gegen die Pink Tax

Um auf das Phänomen der sogenannten Pink Tax, also der pinken Steuer, aufmerksam zu machen, hat die Agentur Serviceplan Campaign International gemeinsam mit der Verbraucherzentrale die Marke Equalicare erfunden. Sie gibt vor, eine Gesichtscreme bzw. einen Moisturizer für Frauen und einen für Männer anzubieten. Das weibliche Produkt kostet 6,90 Euro, das männliche 4,90 Euro. Doch nur auf den ersten Blick handelt es sich um zwei Produkte. In Wahrheit ist es eine Tube – mit einer unterschiedlich gestalteten Vorder- und Rückseite. Durch eine 180°-Drehung richtet sich das Produkt jeweils an das andere Geschlecht. Wie andere am Markt erhältliche Produkte unterscheiden sich die beiden Moisturizer von Equalicare also nicht durch ihre Inhaltsstoffe, sondern nur durch geschlechtsspezifische Merkmale wie Name, Beschreibung oder Gestaltung. Zur Promotion dieser Kosmetikprodukte wurden ein Pop-up-Store in der Kampstraße 11 in Hamburg und ein Online-Shop eröffnet sowie Influencer als Multiplikatoren eingebunden.

Wie können Frauen sich wehren?

Die VZHH fordert Hersteller und Händler auf, die Preisdiskriminierung von Frauen in jeglicher Hinsicht zu unterlassen. Frauen werden mit diesen Tricks doppelt benachteiligt, weil sie darüber hinaus durchschnittlich weniger verdienen als Männer. Außerdem kann jeder, der Produkte oder Dienstleistungen entdeckt, für die Frauen tiefer ins Portemonnaie greifen müssen, die Verbraucherzentrale per E-Mail oder über die Facebook-Seite kontaktieren, damit die Listen fortgeführt werden können.

> Alle Infos zum Thema Pink Tax der Verbraucherzentrale Hamburg

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