Gefälschte Impfnachweise: Apotheken im Norden entlarven immer mehr Betrüger

Bild: janvier/stock.adobe.com

Seit Einführung der 2G-Regelung ist der Impfpass zu einem wichtigen Dokument geworden, um Zugang zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zu erhalten. Damit einhergehend werden der Polizei Woche für Woche neue Fälle von gefälschten Impfnachweisen bekannt.

Schleswig-Holsteins Apotheken arbeiten eng mit Polizei zusammen

Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein und die Landespolizei stehen in einem engen Austausch, teilten die Kammer und die Polizei am Mittwoch mit. Die Apothekerinnen und Apotheker sind angehalten, die Ausweise genauestens auf Fälschungsmerkmale zu untersuchen und im Zweifel die ausstellende Arztpraxis oder das ausstellende Impfzentrum zu kontaktieren.

Die Herstellung und der Gebrauch eines unrichtigen Impfausweises sind strafbar. Das Risiko bei der Nutzung eines digitalen Impfzertifikates in den Apotheken erwischt zu werden, hat sich deutlich erhöht, teilt die Polizei mit. Jeder Fall werde durch die Apothekerinnen und Apotheker konsequent zur Anzeige gebracht.

Gesonderte Ermittlungsgruppe gegen gefälschte Impfausweise in Lübeck

Die Polizeidirektion Lübeck hat aufgrund der stark gestiegenen Fallzahlen eine gesonderte Ermittlungsgruppe eingerichtet. Allein in Lübeck seien in den vergangenen Wochen mehr als 100 Fälle von gefälschten Impfausweisen angezeigt worden. Die meisten Anzeigen stammen danach von Apotheken, wo die Fälschungen bei der Digitalisierung aufgefallen waren. Um möglichst viele Fälschungen aufzudecken, werden Apothekenmitarbeiter fortlaufend über neue Fälschungsmerkmale informiert.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion Lübeck haben den Angaben zufolge den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die konsequente Ahndung und Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit gefälschten Impfausweisen gelegt. Jede einzelne Tat werde unter Ausschöpfung der möglichen rechtlichen Mittel verfolgt, sagte der Sprecher.

Sowohl den Fälscherinnen und Fälschern als auch den Nutzerinnen und Nutzern drohen den Angaben zufolge Geldstrafen oder Haftstrafen von mehreren Jahren. Schon die Vorbereitung zur Fälschung ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft strafbar.

Niedersachsens Justizministerin spricht von „Fälschungsirrsinn“

Gefälschte Impfpässe sollten aus Sicht der niedersächsischen Justizministerin möglichst schnell aus dem Verkehr gezogen werden. „Die Lage ist viel zu ernst. Wir sind darauf angewiesen, dass dieser Fälschungsirrsinn ein Ende findet“, sagte Ministerin Barbara Havliza (CDU) laut Mitteilung am Mittwoch. Auch sie unterstrich: „Wer einen Impfpass fälscht oder einen gefälschten Impfpass gebraucht, macht sich strafbar“. Der Täter oder die Täterin könne unter anderem wegen Urkundenfälschung bestraft werden. Der Apotheker dagegen habe nichts von der Justiz zu befürchten, sagte die Ministerin mit Verweis auf Berichte, nach denen es Verunsicherung gibt, ob Apothekerinnen und Apotheker trotz ihrer Schweigepflicht Anzeige erstatten dürfen.

Polizei warnt: Keine Fotos vom Impfausweis auf Social Media posten

Betrüger:innen nutzen Daten, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, beispielsweise abgebildete Chargennummern des Impfstoffes oder die Gesundheitsdaten, um Impfpässe zu fälschen und diese im Netz zum Verkauf anzubieten.

Die Polizei appelliert daher: Veröffentlichen Sie keine Bilder von Ihrem Impfausweis in den sozialen Medien und melden Sie Angebote oder Anzeigen von gefälschten Impfausweisen der Polizei und dem Netzwerkbetreiber.

Mit Apothekerkammer SH, Landespolizei SH, dpa

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