Wenn Fitnessstudios trotz Corona Beiträge einziehen: Das rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen

Foto: Pexels/Andrea Piacquadio/Symbol

Trotz vielerorts weiterhin geschlossener Türen wegen der Corona-Pandemie ziehen viele Fitnessstudios immer noch Beiträge ihrer Mitglieder ein oder verlängern die Verträge um die Ausfallmonate. Dass diese Vorgehensweise nicht rechtens ist, zeigt ein aktuelles Urteil des Amtsgerichts Döbeln in Sachsen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät daher Betroffenen, ihre Rechte durchzusetzen – notfalls auch vor Gericht.

„Das Urteil bestätigt unsere Rechtsauffassung. Anbieter dürfen Verträge mit festen Laufzeiten und einer festgelegten Kündigungsfrist nicht einseitig verlängern“, erklärt Tiana Preuschoff, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Auch haben Fitnessstudios kein Recht, während der Schließzeit Mitgliedsbeiträge einzufordern“, so Preuschoff.

Ein Fall aus Niedersachsen

Wehren sich Mitglieder dagegen, stellen sich Betreiber:innen oft quer und drohen mit dem Prozesskostenrisiko. So auch im Fall eines Verbrauchers aus Niedersachsen: Am 13. Juli 2020 kündigte er das Vertragsverhältnis und widerrief sein SEPA-Mandat. Seine Kündigung wurde ihm zum 13. April 2021 bestätigt. Während des ersten Lockdowns musste der Verbraucher keine Beiträge zahlen, im zweiten jedoch schon. Er forderte das Geld zurück. Anstelle der Rückerstattung wurde der Kündigungszeitpunkt auf den 13. Juli 2021 verschoben. Das Studio ließ über einen Anwalt erklären, dass es weder kompromiss- noch verhandlungsbereit sei und riet dem Verbraucher von einer Klage wegen des Prozesskostenrisikos ab.

Verbraucherzentrale: Eine Klage kann sich durchaus lohnen

„Damit verspielen Fitnessstudios das Vertrauen der Kunden. Wir würden uns – auch mit Blick auf das Urteil – mehr Kompromissbereitschaft seitens der Anbieter wünschen“, sagt Preuschoff. „Es kann nicht sein, dass sie staatliche Hilfen in Anspruch nehmen und ihre Kundinnen und Kunden unrechtmäßig auf den Kosten sitzen lassen.“ Die Entscheidung des Amtsgerichts Döbeln mache Mut und zeige, dass sich eine Klage durchaus lohnen kann.

Bei Fragen hilft die Verbraucherzentrale Niedersachsen – vor Ort, telefonisch oder per Videoberatung: www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/fuer-sie-da

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