Explosionsartige Vermehrung: Wühlmäuse beschädigen Deiche in Hamburg

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Dank der warmen und weitgehend warmen Sommer 2018 und 2019 hat sich der Bestand an Wühlmäusen in Hamburg enorm erhöht. Der Grund dafür ist der Hamburger Umweltbehörde zufolge das deshalb ausgezeichnete Nahrungsangebot für die Nager. „Eicheln, Buchen, Kastanien, Haselbäume und Fichten tragen reiche Mast. Damit zusammen hängt eine geradezu explosionsartige Vermehrung in diesem Fall der Wühlmäuse“, sagte Behördensprecher Björn Marzahn der Deutschen Presse-Agentur. Das locke auch Räuber wie Milan, Weihe, Adler oder Fressfeinde wie Störche in die städtischen Bereiche.

So haben Experten der Behörde in diesem Jahr 28 Storchenpaare mit 67 Jungtieren in Hamburg gezählt. „So viel wie seit Jahren nicht.“ Außerdem seien eine Kornweihe, bis zu 23 Rotmilane, fünf Schwarzmilane und einzelne Merline beobachtet worden. „Erstmalig brütete sogar ein Paar Schwarzmilane auf Hamburger Staatsgebiet in den Vier- und Marschlanden.“

Zudem seien gleich drei im Hamburger Raum sehr seltene Steppenweihen durch das große Nahrungsangebot angelockt worden. Das habe auch viele Vogelbeobachter nach Hamburg gelockt. Auffällig sei in diesem Jahr auch das Auftreten des Eichelhähers in Hamburg und Umgebung. „In den letzten Wochen war eine regelrechte Invasion der bunten Vögel in Hamburg zu beobachten“, sagte Marzahn weiter. Das sei auf einen sehr guten Bruterfolg der Art in den Herkunftsgebieten (Skandinavien, Baltikum, Russland) zurückzuführen.

Deiche beschädigt

Doch der hohe Wühlmausbestand hat auch negative Folgen: Sie geht an den Deichen nicht spurlos vorüber. „Im Bezirk Mitte/Wilhelmsburg wurden in diesem Jahr fünf bis acht Prozent mehr Schäden durch Wühlmäuse als in den vergangenen Jahren gemeldet.“ In Bergedorf seien es 15 Prozent mehr gewesen. Dort waren etwa 54 Prozent des Binnen- und Außendeiches von Mäusebefall betroffen. Die Deichlinie in Bergedorf ist 34 Kilometer lang. Die angewühlten Dämme werden der Umweltbehörde zufolge mit einer pastenartigen Substanz verfüllt, die sogenannte Kleie-Suspension.

Vorbeugung und Bekämpfung

Durch eine regelmäßige Bodenbearbeitung kann der Ansiedlung von Wühlmäusen entgegengewirkt werden, da diese hierdurch gestört werden und ihre natürlichen Feinde (Greifvögel, Hermelin usw.) das Gelände besser einsehen können. In größeren Anlagen kann durch das Anlegen von Steinhaufen die Ansiedlung von Wieseln gefördert werden. Durch das Aufstellen von Sitzstangen können Greifvögel angelockt werden. Insbesondere bei den häufig befallenen Obstbäumen kann durch Pflanzung in einen Drahtkorb (Maschenweite etwa 16 mm) ein Befall verhindert werden.

Die umweltfreundlichste Methode zur direkten Bekämpfung stellt der Einsatz von Fallen dar. Hierbei ist zu beachten, daß die Fallen in einem gerade verlaufenden Gangstück eingesetzt werden. Beim Fallenstellen Handschuhe tragen und neue Fallen mit Erde abreiben. Bei Fallen, die mit Ködern arbeiten eignen sich Möhren oder Sellerie-Stücke gut als Köder. Für die Bekämpfung von Wühlmäusen mit Hilfe von Ködern stehen zur Zeit für den Haus- und Kleingarten verschiedene Produkte mit dem Wirkstoff Zinkphosphid und Warfarin zur Verfügung.

Diese unbedingt unzugänglich für andere Tiere auslegen. Der Einsatz von Ködern ist nur in der nahrungsarmen Winterzeit erfolgversprechend. Darüber hinaus sind auch Begasungsmittel mit dem Wirkstoff Calciumcarbid zugelassen. Vor dem Einsatz von Bekämpfungsmitteln sollte durch eine Verwühlprobe sichergestellt werden, daß die Gänge noch bewohnt sind.

 

dpa / BWVI

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