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Mit Kindern zu Hause im Homeoffice? Das ist eine ganz schöne Herausforderung. Die Kleinen wollen beschäftigt werden und verstehen nicht, dass Mama und Papa eigentlich gar keine Zeit für sie haben. Im Gegenteil: Wann haben sie schon mal die Gelegenheit, ihre Eltern den ganzen Tag um sich herum zu haben? Aber wie bekommen Eltern jetzt ihre beruflichen Aufgaben erledigt und werden gleichzeitig ihrem Kind gerecht?

Da hilft nur eine gute Organisation der Kinderbetreuung, abwechselnd durch Mutter und Vater, vielleicht auch durch Geschwister, aber was nur tun, wenn Spielplatz, Schwimmbad und Co. geschlossen haben, man nicht mal mehr Fußball im Park spielen darf? Viele wissen sich nicht anders zu helfen, als die Kids vor das Handy, Tablet oder den Fernseher zu setzen.

Experten raten zur Nutzung von Bildschirmmedien – aber achtsam

Kleineren Kindern und Kindern im Grundschulalter fällt es besonders schwer, die aktuelle Situation rund um die Corona-Krise einzuordnen. Sie hören von immer mehr Erkrankten und sogar von Verstorbenen durch ein unsichtbares Virus. Auf einmal dürfen sie nicht mehr in die Kita oder die Schule, der Flötenunterricht, Fußballtraining und Sportkurs fallen aus – auf unbestimmte Zeit. Nicht einmal auf den Spielplatz dürfen sie mehr. So etwas kennen wir alle nicht, aber wir können es einordnen. Kindern macht die ungewohnte Situation einfach nur Angst. Das bedeutet für die Kleinen Stress.

Bildschirmmedien können in unserer aktuellen Lage für jedes Alters sinnvoll eingesetzt werden, für den Unterricht oder Schularbeiten aber auch in der Freizeit. „Es kommt darauf an, besonders für Jüngere die Angebote gut auszuwählen und auf altersgerechte Inhalte zu achten“, sagt Kristin Langer, Mediencoach der Initiative SCHAU HIN!, einer Initiative, die sich bundesweit für den bewussten Umgang von Eltern und ihren Kindern mit Medien einsetzt.

Wie oft und wie lange sollten Kids jetzt digitale Medien nutzen?

Theresa Lienau, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Digitale Chancen, erklärt, dass es in der aktuellen Extremsituation durchaus gerechtfertigt sei, den Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen nach oben hin zu korrigieren: „Wir sind uns bewusst, dass insbesondere für Eltern, die durch Homeoffice und Kinderbetreuung doppelt belastet sind, Medien dabei helfen können, diese sehr besondere Situation zu meistern. Da sind die normalen Nutzungszeiten manchmal nicht mehr einzuhalten – und dafür möchten wir auch kein Elternteil verurteilen.“ Auch wenn Eltern den Medienkonsum und die Nutzung von Mobiltelefonen bei ihren Kindern generell lieber einschränken möchten, können die verschiedenen Kommunikationswege in Zeiten der räumlichen Isolation ausgesprochen nützlich sein. Dennoch sollte das Tablet oder der Fernseher natürlich nicht die Kita ersetzen oder stundenlang als ‚digitaler Babysitter‘ dienen“, warnt die Expertin. 

Praktische Tipps

 

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Day 3… ☕️ #flattenthecurve #staythefuckhome #corona #virus #covid_19 #sarscov2 #coronavirus #homeoffice #homeschool

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Die Experten der Stiftung Digitale Chancen haben ein paar praktische Tipps für aus dem Homeoffice arbeitende Eltern herausgegeben.

1. Dazu zählt, dass unbedingte Regeln für die Mediennutzung mit den Kindern vereinbart werden sollten. Zum Beispiel über die Inhalte. Was ist okay? Was nicht? Zu welchen Zeiten darf ihr Kind fernsehen, zu welchen online ein Spiel spielen? Wann und wie lange am Tag wird E-Learning eingebaut und wann darf das Kind zum Beispiel einen Videochat mit Freunden starten? Eine gute Idee ist es, hier eine Art Stundenplan für den Medienkonsum auszuarbeiten. Aber nicht allein, sondern immer mit den Kids zusammen, denn nur so können sie auch verstehen, warum etwas wie geplant ist.

2. Auch wenn Sie im Homeoffice arbeiten, haben Sie eine tägliche Mittagspause. Wenn möglich, splitten Sie diese doch in kürzere Pausen auf, so kommen die Kinder häufiger vom Bildschirm weg. Nutzen Sie die Pause dann gemeinsam mit Ihren Kids. Eine Runde UNO, Domino oder Mikado ist eine gute Möglichkeit, eine produktive Arbeitspause einzulegen.

3. Essen Sie zusammen mit den Kindern. Wenn die Zeit zum Kochen nicht reicht, kann das Essen für den nächsten Tag schon am Vorabend zubereitet werden. Beim gemeinsamen Essen ist Zeit für Gespräche und ein Handy hat am Esstisch nichts zu suchen. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und packen auch Sie Dienst- und Privathandy beiseite.

4. Und ganz wichtig: Solange es möglich ist, schaffen Sie einen Ausgleich. Gehen Sie möglichst mit Ihren Kindern an die frische Luft und geben Ihnen die Gelegenheit, sich zu bewegen.

Kinder brauchen andere Kinder

Auch wenn Eltern den Medienkonsum und die Nutzung von Tablet, Mobiltelefonen und TV bei ihren Kindern normalerweise einschränken, so erlaubt die räumliche Isolation ein wenig mehr medialen Freiraum. Verschiedenen Kommunikationswege können hierbei ausgesprochen nützlich sein, denn Kinder brauchen andere Kinder um sich herum. Da das momentan nicht geht, hilft vielleicht ein täglicher Videocall mit den Schulfreunden. So sieht man sich und kann sich austauschen. Das darf dann auch ruhig mal etwas länger dauern. Auch der Kontakt zu den Großeltern kann so gehalten werden. Alternativ bietet sich hierfür aber auch das Telefon an.

Skypen mit den Großeltern – eine Alternative, wenn man sie schon nicht sehen darf. Foto: Alexander Dummer

Feste Bildschirmzeiten geben Struktur im Alltag

Laut der Initiative SCHAU HIN! sollten Eltern bei jüngeren Kindern bis zehn Jahre darauf achten, dass die tägliche Bildschirmnutzung nicht überhand nimmt. Der bereits angesprochene Stundenplan kann helfen, Struktur in den Medienalltag zu bringen. Auch wenn während der sozialen Isolation während der Corona-Pandemie mehr erlaubt ist als zu anderen Zeiten, ist es wichtig, dass den Heranwachsenden genügend Zeit für analoge Erfahrungen bleibt. Je nach Alter, hilft hier klassisches Spielzeug zur Alleinnutzung wie Malbücher oder Puzzle. Dabei werden auch die Nerven der arbeitenden Eltern geschont.

Reden hilft den Kindern, die Situation zu verstehen

Im Homeoffice sind auch die Erwachsenen permanent mit dem Laptop oder Smartphone beschäftigt. Erklären Sie Ihren Kindern, dass Sie arbeiten, zeigen Sie Ihnen einzelne Vorgänge. Excelltabellen sind für Kinder eher langweilig und so verstehen sie, dass Sie das Notebook nicht zum Spaß vor sich stehen haben. Da Kinder digitale Medien meist zur Unterhaltung nutzen, müssen sie andere Zwecke erst einmal kennenlernen.

Auch sind Benimmregeln für die Nutzung mobiler Geräten ratsam: Während des digitalen Schulunterrichts, bei den Hausaufgaben oder während des Essens haben weder Smartphone noch Tablet etwas auf dem Tisch verloren. Die Experten der Stiftung Digitale Chancen empfehlen, ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen mobile Geräte wegzulegen und den Fernseher auszustellen.

Trotz Homeoffice: Behalten Sie im Blick, was Ihre Kinder im Netz schauen oder spielen und was gerade über den Fernsehbildschirm flimmert. Wenn Sie Ihre Kinder beispielsweise YouTube nutzen lassen, verwenden Sie für diese YouTube Kids. Lassen Sie die Kinder extra entwickelte Kindersuchmaschinen nutzen. Anstelle von Google z.B. „Blinde Kuh“ oder „FragFinn“.

Und hier noch eine Idee für Eltern, um sich das Homeoffice mit Kindern ein wenig lustiger zu gestalten:

 

Andrea Marie Eisele

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