Cousin mit Samuraischwert getötet: 42-Jähriger in Braunschweig zu neun Jahren Haft verurteilt

Fast zehn Jahre nach einer tödlichen Samuraischwert-Attacke im niedersächsischen Salzgitter ist ein 43-jähriger Mann zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Braunschweig sprach den Angeklagten am Freitag wegen Totschlags schuldig. Nach Überzeugung der Strafkammer tötete der Deutsche mit philippinischer Abstammung im Juli 2014 seinen Cousin, indem er ihm erst mit einer leeren Glasflasche auf den Kopf schlug und dann mehrmals mit einem Samuraischwert zustach.

Ein Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig. Swen Pförtner/dpa/Archivbild

In der Urteilsbegründung fand der Vorsitzende Richter Ralf-Michael Polomski deutliche Worte. „Eigentlich hätten Sie die Wohnung einfach verlassen. Aber Sie entschieden sich anders“, sagte er in Richtung des Verurteilten. Im Prozess kam das Gericht zu der Überzeugung, dass es zwischen den beiden Männern zu einem Streit kam und der Angeklagte seinem damals 41-jährigem Cousin eine Bierflasche auf den Kopf schlug. Es folgte der wohl entscheidende Moment, in dem der Mann nach Auffassung der Richter hätte gehen können.

Angeklagter stach mehrmals auf Cousin ein

Stattdessen attackierte er seinen Cousin mit einem Samuraischwert aus dessen Wohnung. Auch auf den schon am Boden liegenden Mann stach der Angeklagte noch ein. Gerichtsmediziner zählten später 30 Verletzungen, 13 davon am Kopf. Unter anderem wurde das Rückenmark durchtrennt, das Opfer starb noch vor Ort in der Wohnung. Der Angeklagte lieh sich schnell ausreichend Geld für einen Flug und setzte sich Richtung Manila ab. Vor allem dadurch habe er sich verdächtig gemacht, sagte der Richter.

In der Verhandlung hatte der Angeklagte die Verantwortung für den Tod seines Cousins eingeräumt. Einen Mord aus Habgier, wie von der Staatsanwaltschaft zunächst angeklagt, bestritt er aber. Nach seiner Schilderung eskalierte in der Wohnung des Cousins ein Streit, bei dem er sich bedroht fühlte und dann reagierte. Das Geständnis sei zwar glaubhaft, die Angaben zum Tathergang aber zweifelhaft, sagte Richter Polomski.

Tatverdächtiger 2023 auf Philippinen ausfindig gemacht

Mehrere Jahre lebte der Angeklagte nach der Tat auf den Philippinen in einer Beziehung mit seiner Jugendliebe, er arbeitete normal und die beiden bekamen ein gemeinsames Kind. Erst Jahre nach dem gewaltsamen Tod in Salzgitter gelang es Ermittlern im Januar 2023, den Tatverdächtigen auf den Philippinen ausfindig zu machen. Dort saß er einige Zeit in Abschiebehaft, bevor er nach Deutschland in Untersuchungshaft kam. Beides werde für die Freiheitsstrafe angerechnet, sagte der Richter.

„Es tut mir wirklich sehr leid“, hatte der Angeklagte in seinem letzten Wort betont. Schon zum Prozessauftakt hatte er sich bei Freunden und der Familie des Opfers entschuldigt. Er räumte ein, dass die Hiebe und Stiche mit dem Schwert nicht unbedingt nötig gewesen wären. Er hätte auch einfach fliehen können, ließ er seinen Anwalt erklären. „Hätten Sie sich damals gestellt, wären sie heute schon wieder frei“, sagte ihm der Richter am Freitag.

Staatsanwaltschaft forderte 12 Jahre Haft

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von zwölf Jahren Haft wegen Totschlags. Die Verteidigung hatte vier Jahre wegen Totschlags in einem minder schweren Fall beantragt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Revision dagegen ist möglich.

SAT.1 REGIONAL/dpa

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