Corona-Warn-App: So benutzen sie die neue Tracing-App richtig

Nach wochenlangen Vorbereitungen ist sie nun da: Die neue Corona-Warn-App steht für Smartphones zum Download bereit. „Sie herunterzuladen und zu nutzen ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung“, so Kanzleramtschef Helge Braun. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte, sie sei „kein Freifahrtschein, aber ein wichtiges weiteres Werkzeug in der Pandemie“. Aber wie nutzt man die App eigentlich richtig?

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Zunächst einmal muss klar gestellt werden, dass die App nur eine Ergänzung zu den uns bisher bekannten Maßnahmen wie Abstandhalten, Händehygiene und Alltagsmaske darstellt – und diese keinesfalls ersetzt. Mit der App sollen Kontaktketten von Corona-Infizierten nachverfolgt werden. Das Ziel: Nutzer, die in Kontakt mit positiv getesteten Personen waren, sollen von der App gewarnt werden. Sie könnten sich möglicherweise bei der infizierten Person angesteckt haben. Die App ist in den Stores von Apple (iPhone-User benötigen mindestens  iOS 13.5) und Google (Android-User benötigen mindestens Version 6.0 (Marshmallow)) erhältlich und nur für Smartphones mit Bluetooth geeignet. Zudem müssen mindestens 10 MB Speicherplatz vorhanden sein.

Wer steckt eigentlich hinter der App?

SAP und die Deutsche Telekom haben die Corona-Warn-App im Auftrag der Bundesregierung entwickelt. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA standen bei der Entwicklung beratend zur Seite. Herausgeber ist das Robert-Koch-Institut in Berlin.

Tracing und nicht Tracking

Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Tracing-App – und keine Tracking-App. Die englische Bezeichnung „tracing“ bedeutet übersetzt „Verfolgung“. Dabei geht es nicht um die Verfolgung des Standorts einzelner Nutzer, sondern um die Verfolgung von Begegnungen. Der wesentliche Baustein ist die Nutzung der Bluetooth-Technologie. Hiermit werden lediglich die relevanten „digitalen Handschläge“ erfasst, also ob überhaupt ein relevanter Kontakt stattgefunden hat. Nicht erfasst wird, wo diese Kontakte stattgefunden haben. Ein Standort-Tracking, wie es etwa über GPS oder das Mobilfunknetz möglich wäre, findet durch die Corona-Warn-App also nicht statt.

Muss ich Bluetooth also permanent aktiviert haben, damit die App funktioniert?

Ja, Bluetooth muss dauerhaft aktiviert sein. Allerdings wurde laut Telekom extra die BLE-Technologie (Bluetooth Low Energie) verwendet, um die App akkuschonend zu gestalten. Mann kann also weiterhin, wie gewohnt, mit seinem Smartphone uneingeschränkt online sein, chatten, Musik hören und so weiter, während die App parallel im Hintergrund läuft. Und: Auch wenn die App aktiv ist, kann Bluetooth weiterhin für Kopfhörer oder andere gekoppelte Geräte verwendet werden.

Muss ich die App die ganze Zeit geöffnet lassen?

Nein. Die App muss laut Telekom nach dem Download nicht extra geöffnet werden, um zu funktionieren. Sie ist einfach als App auf dem Smartphone abgelegt und arbeitet still im Hintergrund, ohne sonstige Anwendungen oder Lieblings-Apps zu stören.

Datenvolumen wird nicht belastet

Für die Corona-Warn-App werden regelmäßig Daten von einem Server heruntergeladen, um das individuelle Infektionsrisiko der Nutzer zu ermitteln. Alle deutschen Netzanbieter haben sich jedoch dazu bereit erklärt, den Datenfluss nicht vom mobilen Datenvolumen abzuziehen.

Bin ich verpflichtet, die App zu installieren?

Nein. Sie können freiwillig entscheiden, die App herunterzuladen, sie zu installieren oder auch tatsächlich zu nutzen. Die Tracing-App wird demnach nicht automatisch auf Ihrem Smartphone installiert. Sie müssen sie aktiv im App Store oder Play Store herunterladen und auf Ihrem Smartphone installieren. Selbst wenn Sie die App nutzen, sind Sie frei darin, wie Sie die App verwenden. Es gibt weder eine Pflicht, ein positives Testergebnis in der App einzutragen, noch im Falle einer Warnung bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Die App richtet sich laut RKI an alle, die sich in Deutschland aufhalten und mindestens 16 Jahre alt sind.

„Risiko-Ermittlung“ und Mitteilungen aktivieren

Nach dem erstmaligen Aufrufen der App muss man durch Antippen eines Buttons zunächst die sogenannte Risiko-Ermittlung aktivieren. Sie ist laut RKI erforderlich, da die App andernfalls nicht auf die Kontaktaufzeichnungs-Funktion des Smartphones zugreifen kann. Denn die App merkt sich Begegnungen zwischen Menschen, indem die Smartphones verschlüsselte Zufallscodes austauschen. Sie geben nur Auskunft über das Datum, die Dauer und die anhand der Signalstärke berechnete Entfernung zu Ihren Mitmenschen.

Foto: Screenshot der Corona-Warn-App.

Anhand dieser Daten wird dann das Infektionsrisiko berechnet. Persönliche Daten, also Name, Adresse oder Aufenthaltsort, werden zu keiner Zeit erfasst. Als nächstes fordert die App einen auf, Mitteilungen zu erlauben, damit im Fall des Falles eine Warnmeldung als Push-Nachricht herausgeschickt und über das Infektionsrisiko informiert werden kann.

Was hält die Verbraucherzentrale von der App?

„Solange die Nutzung der Warn-App wirklich freiwillig ist und dem dezentralen Ansatz folgt, ist das zumindest eine gute Grundlage, um die App für Verbraucher insgesamt zu befürworten“, heißt es von Seiten der Verbraucherzentrale. Dafür spreche auch, dass der Quellcode der App im Rahmen der Entwicklung offengelegt worden ist und so die IT-Community die Möglichkeit hatte, die Corona-Warn-App genau zu prüfen. Dabei konnten bislang keine Sicherheitslücken gefunden werden. „Die Entscheidung für eine dezentrale Datenverarbeitung erhöht den Datenschutz und minimiert die Gefahr des Datenmissbrauchs“, sagt auch Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Wer dennoch Bedenken oder Fragen hat: Den Datenschutzbeauftragten des RKI erreichen Sie per E-Mail unter datenschutz@rki.de.

sag

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