Corona-Pandemie trifft Hinz&Kunzt: Hamburger Straßenmagazin erscheint erstmals nur digital

Hinz&Kunzt erscheint erstmals in seiner 26-jährigen Geschichte nicht als gedruckte Ausgabe, sondern als Online-Magazin. „Normalerweise sind die Hinz&Künztler und ihre Printausgabe unzertrennlich“, sagt Chefredakteurin Birgit Müller. „Schließlich ist unser Straßenmagazin nicht nur eine soziale Stimme in der Stadt und nicht nur eine Einnahmequelle für Obdachlose und ehemals Obdachlose – es ist auch der Inbegriff von Kontakt, von gegenseitigem Interesse, von Solidarität.“ Aber das Coronavirus habe „uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht“.

Seit Mitte März hat das Straßenmagazin den Verkauf eingestellt, weil die meisten Verkäufer selbst zur Risikogruppe gehören. Auch ein großer Teil des Teams ist gefährdet. Die Redaktion arbeitet derzeit auf Hochtouren im Homeoffice. „Wir wollten unbedingt eine Aprilausgabe fertigstellen, auch wenn sie nicht auf die Straße kommt“, sagt Birgit Müller.

Das Projekt fährt nur einen Notbetrieb. „Natürlich beraten wir telefonisch und sind für Notfälle auch vor Ort“, sagt Birgit Müller. „Aber für die Hinz&Künztler ist es trotzdem schlimm“, weiß die Chefredakteurin. „Das mit dem täglichen Schnack und Kontakt können wir natürlich nicht ausgleichen, aber finanziell wollen wir helfen.“

Aprilausgabe zum Download

Wer die Aprilausgabe lesen will, kann sie downloaden – und wird deshalb um eine Spende gebeten. Die ist natürlich freiwillig. Aber genau wie beim Straßenverkauf gehen 1,10 Euro an Hinz&Kunzt, um das Magazin für die Zukunft zu sichern. Jeder Cent über 1,10 Euro fließt dann in den Corona-Fonds. Dieser wurde extra eingerichtet, um die Hinz&Künztler in dieser schweren Zeit wenigstens finanziell unterstützen zu können.

Angepeilt wird eine Riesensumme: Im April will das Magazin den Verkäufern eine Überlebenshilfe von 100 Euro auszahlen – und es gibt derzeit 530 aktive Verkäufer. „Aber wir sind optimistisch: Schon Ende März hat Beiersdorf virtuelle Magazine für seine Mitarbeiterinnen vorbestellt. Auch Hansewerk und viele Leser haben spontan gespendet“, so Birgit Müller. Sogar Anzeigenkunden haben geschaltet, obwohl es keine Printausgabe gibt. Birgit Müller. „Die Solidarität ist beglückend.“

> Link zum Download des Magazins

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