Cold Case: Kripo Cuxhaven sucht Frauenmörder aus den 90ern

Die Kripo Cuxhaven rollt einen sogenannten Cold Case wieder auf, also einen Fall, bei dem die Strafverfolgungsbehörden die Akten bereits „geschlossen“ hatten. Dabei handelt es sich um zwei Frauenmorde, die über 25 Jahre zurückliegen. „Mord verjährt nie“, betont Polizeihauptkommissarin Anke Rieken, denn viele Fragen seien noch nicht beantwortet. „Wir wollen Gewissheit für die Hinterbliebenen schaffen.“ Für entscheidende Hinweise hat die Polizeidirektion Oldenburg sogar eine Belohnung von bis zu 5.000 Euro ausgesetzt.

Vanessa Wardelmann wurde 1992 ermordet

Opfer Vanessa Wardelmann, 1992. Foto: Polizei Cuxhaven

Die Morde, die sich die Ermittler jetzt noch einmal vornehmen, wurden an zwei Prostituierten verübt. Am 24. September 1992 gegen 20 Uhr begab sich der bis heute unbekannte Täter zum Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße in Bremerhaven und lockte die 22-jährige Vanessa Wardelmann, die dort als Prostituierte arbeitete, als mutmaßlicher Freier in einen dunkelblauen Kleinwagen.

Zwei Tage später, am 26. September 1992, wurde die Leiche der jungen Frau nahe dem Fluss Lune im Bereich der Gemeinde Loxstedt in der Nähe der Anschlussstelle Bremerhaven-Süd/Nesse an der A27 von einem Fahrradfahrer aufgefunden. Vanessa Wardelmann wurde geknebelt und mit einer Nylonschnur erdrosselt. Die Schnur hat der Täter zurückgelassen und das Besondere ist: Der Täter hat sie extra für die Erdrosselung von Vanessa Wardelmann hergestellt. Sie war ca. 67 Zentimeter lang und hatte an beiden Enden etwa vier Zentimeter große Schlaufen.

1993 kam es zum Mord an Anja Witt

Opfer Anja Witt, 1993. Foto: Polizei Cuxhaven

Etwa sieben Monate später, am 8. Mai 1993, hat ein ebenfalls bis heute unbekannter Täter Kontakt mit der damals 26-jährigen Anja Witt aufgenommen. Sie hat, genau wie Vanessa Wardelmann, als Prostituierte in der Van-Heukelum-Straße in Bremerhaven gearbeitet. Der unbekleidete Leichnam der jungen Frau wurde am nächsten Tag, dem 9. Mai 1993, in einem Waldstück an der B215 in der Nähe der Autobahn 27 an der Ausfahrt Verden-Nord von Spaziergängern entdeckt. Auch Anja Witt wurde geknebelt und erdrosselt.

Die braune Wildlederjacke von Anja Witt. Foto: Polizei Cuxhaven

Die Leiche von Anja Witt war unbekleidet, doch eigentlich trug die junge Frau eine braune Wildleder-Flickenjacke mit schwarzen Ansätzen im Schulterbereich. Ob der Täter sie behalten hat, ist nicht klar. Die Polizei fragt sich jedoch, ob jemandem diese Jacke aufgefallen sein könnte.

Viele Parallelen in den Fällen

Die Polizeiinspektion Cuxhaven hat eine Ermittlungsgruppe gegründet und am Mittwoch hat auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ über die beiden Tötungsdelikte berichtet. Außer DNA-Spuren gibt es weitere Parallelen:

• Der Mörder suchte sich in beiden Fällen junge Frauen als Opfer aus, die auf dem Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße in Bremerhaven tätig waren.

Das Leukoplast und die Schnur. Foto: Polizei Cuxhaven

• Beide Frauen wurden erdrosselt.

• Beide Fundorte der Leichen befinden sich im Bereich der A27.

• Beiden Frauen wurde, bevor sie stranguliert wurden, der Mund mit fünf Zentimeter breitem, medizinischem Klebeband (Leukoplast) zugeklebt. Die Besonderheit: Ein solch breites Klebeband hatte man früher normalerweise nicht zu Hause. Man bekam das Leukoplast nur über die Apotheke oder hatte möglicherweise auch beruflich damit zu tun.

Quelle: Polizei Cuxhaven

Phantombilder aus den 90ern nun erstmals veröffentlicht

1992 und 1993 entstanden zwei Phantombilder, die bisher nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. „Wir möchten alle uns zur Verfügung stehenden Optionen nutzen und erhoffen uns insbesondere durch heutige Möglichkeiten des Verbreitens in sozialen Netzwerken, möglichst viele potenzielle Zeuginnen und Zeugen zu erreichen“, so Anja Rieken von der Polizeiinspektion Cuxhaven. „Die Phantombilder können den Täter zeigen, es könnte sich aber auch um Zeugen handeln, die zum Beispiel als Freier auf dem Straßenstrich erschienen sind“, betonte Rainer Brenner von der Kripo Cuxhaven am Mittwochabend in der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“.

Bereits diverse Hinweise eingegangen

Auf Anfrage von 17:30 SAT.1 REGIONAL bestätigte die Polizei Cuxhaven, dass gleich zum Beginn der ZDF-Sendung zahlreiche Hinweise eingegangen sind. Das setzte sich auch am Donnerstag fort. Einige der Hinweise erwiesen sich als wirklich interessant. „Ob aber die heiße Spur darunter ist, das werden jetzt die Ermittlungen zeigen“, so Polizeihauptkommissarin Anke Rieken. Es könnte also sein, dass die Morde an Vanessa Wardelmann und Anja Witt nach 27 Jahren doch noch aufgeklärt werden.

Wer Angaben zu den abgebildeten Männern machen kann, wird gebeten, sich an die Polizeiinspektion Cuxhaven zu wenden: 04721 / 573 200.

> Mehr Informationen zu den Frauenmorden in Bremerhaven vom LKA Niedersachsen

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