Brösel und „Holgi“ Henze im Interview vor dem Werner-Rennen

DAS RENNEN 1988. FOTO: FREDERIC PLAMBECK

Vor 30 Jahren, am 4. September 1988, fand zum ersten Mal das legendäre Werner-Rennen statt. Übrigens auf dem Gemeindegebiet von Hasenmoor und nicht im benachbarten Hartenholm, wie viele denken – das liegt möglicherweise am irreführenden Namen des Flugplatzes, auf dem das Rennen stattfindet. Jedenfalls ist das irre Spektakel noch heute allen Dorfbewohnern in lebhafter Erinnerung. Menschenmassen fielen in der kleinen Gemeinde ein, die Felder in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes verwandelten sich in wahre Zeltstädte und die Bewohner versuchten, ihr Hab und Gut zu sichern. Denn statt der erwarteten 100.000 reisten am Ende 200.000 Festivalbesucher an. Auf den Zufahrtsstraßen entstand ein Verkehrschaos, dem keiner mehr Herr wurde – nicht einmal die Polizei. Landwirte und Anwohner waren dermaßen blockiert, dass sie ihre Anwesen nicht mehr verlassen konnten. An den Kassen kam es zu Staus und lautstarken Protesten. Die Veranstalter kapitulierten, öffneten die Eingänge komplett und sogar diejenigen, die keine Eintrittskarte hatten, wurden auf das Veranstaltungsgelände gelassen.

DIE NACHWIRKUNGEN

Das Werner-Rennen ’88 hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Autos, Gartenzäune, Büsche und Strohballen brannten, Reinigungsfirmen und Müllwagen hatten zwei Wochen mit dem Aufräumarbeiten zu tun. Etwa 1.500 Leichtverletzte mussten von Sanitätern versorgt werden. Nichtsdestotrotz handelte es sich um ein Großevent der Superlative – nicht einmal das weltweit größte Heavy-Metal-Festival, das „Wacken Open Air“ konnte bislang annähernd große Dimensionen erreichen. Das ganze Spektakel hat Comiczeichner Rötger Feldmann anschließend für die Nachwelt in einem Taschenbuch verarbeitet – im 1988 erschienenen „Werner – Das Rennen“. Er selbst hat das eigentliche Rennen bekanntermaßen letztendlich verloren, weil er sich angeblich verschaltet hat. Konkurrent Holger „Holgi“ Henze gewann mit seinem roten Porsche 911.

DIE NEUAUFLAGE

Röter Feldmann (l) und Holger Henze (r) treten 2018 wieder gegeneinander an. Foto: Kai Swillus

2004 kam es dann zu einer ersten Neuauflage des Rennens – allerdings auf dem Lausitzring in Brandenburg. Drei Tage Festival mit 30.000 Besuchern und am Ende musste Brösel sich erneut geschlagen geben. Die viermotorige Horex blieb offenbar wegen technischer Probleme nach nur wenigen Metern stehen. Nun, 30 Jahre später, wieder die Revanche. Diesmal auf dem Originalschauplatz in Hasenmoor. Mit schätzungsweise 50.000 Besuchern nicht so riesig wie damals und dank der erfahrenen Veranstalter, die auch jährlich das Wacken Open Air ausrichten, hoffentlich am Ende nicht ganz so chaotisch – doch trotzdem mit vielen Werner-Fans aus ganz Deutschland, die sich auf vier Tage Live-Musik und Motorsport freuen. Kann Brösel diesmal wohl seinen ersten Sieg gegen Kontrahent Holgi einfahren? Die Rennstrecke betrug in den Achtzigerjahren noch 600 Meter – diesmal wird sie lediglich 200 Meter lang sein. Für wen das am Ende ein Vorteil ist, wird sich am Sonntag zeigen.

Wir haben Holgi und Brösel drei Tage vor dem Rennen zum Interview auf dem Flugplatz Hartenholm getroffen. Sie necken sich, ziehen sich gegenseitig auf, präsentieren sich aber noch tiefenentspannt. Dennoch fallen Worte wie „Ochsenfrosch“ oder „Vorkriegsschrott“. Aber sehen Sie selbst:

 

Gloria Saggau

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