Bilanz für 2019: Weniger Organspender im Norden

Ein Organspendeausweis, aufgenommen vor dem Modell eines menschlichen Torsos. Foto: Daniel Maurer/dpa/Archivbild

Kurz vor der Abstimmung im Bundestag hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ihre Spendenbilanz 2019 vorgestellt. Deutschland bleibt im internationalen Vergleich ein Schlusslicht. Und auch im Norden sinkt die Zahl der Organspender. Wir haben die aktuellen Zahlen für Sie auf einen Blick.

Niedersachsen auf viertem Platz im Ländervergleich

Die Zahl der Organspender in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. 2019 spendeten landesweit 59 Menschen nach ihrem Tod eines oder mehrere Organe – 2018 waren es 62 gewesen. Die Zahl der entnommenen Organe sank von 221 auf 213, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation am Montag in Frankfurt mitteilte. Die Zahl der Transplantationen sank von 416 auf 370. Damit lag Niedersachsen im Ländervergleich hinter Nordrhein-Westfalen (780), Bayern (488) und Baden-Württemberg (404) an vierter Stelle bei den Organübertragungen.

In Bremen verdoppelte sich die Zahl der Organspender binnen eines Jahres auf 8. 25 Spenderorgane wurden 2019 entnommen, zehn mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Transplantationen sank im kleinsten Bundesland von 25 auf zwölf.

Zahl der Organspender in Hamburg leicht zurückgegangen

In Hamburg sind 2019 fast so viele Organe gespendet worden wie im Vorjahr. Insgesamt wurden in der Hansestadt 170 Organe entnommen. 2018 waren es 182 Organe, im Jahr davor lediglich 77. In den meisten Fällen wurden dabei Nieren und Lebern gespendet. Die Zahl der Organspender in Hamburg ist im vergangenen Jahr leicht von 55 auf 52 Menschen gesunken.

Gleichzeitig konnte schwerkranken Patienten in Hamburg mit 137 gespendeten Organen das Leben vorerst gerettet werden. Im Jahr zuvor war es ein gespendetes Organ mehr.

Im gesamten Norden – also Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein – hatten im vergangenen Jahr 142 Menschen 485 Organe gespendet (2018: 153/529) und es sind in der Region 609 Organe transplantiert worden (2018: 687). Auch bundesweit sind die Zahlen der DSO zufolge leicht zurückgegangen.

Die Grafik zeigt die Zahl der Organspender im Vergleich. Bei einer postmortalen Organspende stellen verstorbene Spenderinnen oder Spender die eigenen Organe für eine Übertragung (Transplantation) zur Verfügung. Quelle: DSO

Auch in Schleswig-Holstein weniger Spender

Die Zahl der Organspender und Organtransplantationen ist im vergangenen Jahr nach einem Anstieg im Vorjahr wieder gesunken. Hatten 2018 in Schleswig-Holstein noch 32 Menschen Organe gespendet, so waren es 2019 nur 23 Verstorbene. Nur Bremen, Brandenburg und das Saarland hatten noch weniger Spender. Die Zahl der Organübertragungen in Schleswig-Holstein ging von 108 auf 90 zurück. Die Zahl der gespendeten Organe fiel von 111 auf 77. Auch in Deutschland insgesamt sanken die Zahlen wieder. 2018 noch hatte sich die Organspende erstmals seit 2010 in Deutschland wieder deutlich positiv entwickelt.

Bundestag entscheidet am Donnerstag über neuen Gesetzesentwurf

Am Donnerstag (16. Januar) soll der Bundestag über neue Regeln für Organspenden entscheiden. Dabei geht es um die sogenannte Widerspruchslösung. Ein fraktionsübergreifender Gesetzesentwurf von einer Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt die „doppelte Widerspruchslösung“ an. Ab dem 1. Oktober 2022 sollen demnach alle Bürger grundsätzlich als Spender gelten. Man soll dazu aber später „Nein“ sagen können. Ansonsten wäre noch bei Angehörigen nachzufragen, ob ihnen ein Widerspruch bekannt ist.

Eine andere Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock schlägt vor, dass alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema Organspende angesprochen werden.

Organspende: Die wichtigsten Modelle

Während in Deutschland die Entscheidungslösung gilt, haben andere Länder unterschiedliche gesetzliche Regelungen der Organ- und Gewebespende. Sie regeln, wann und unter welchen Umständen die Organe oder Gewebe einer verstorbenen Person entnommen werden dürfen.

  • Zustimmungslösung: Bei der Zustimmungslösung können nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Liegt keine Zustimmung vor, dürfen keine Organe oder Gewebe entnommen werden. Es gibt dabei keinen Zwang, eine Entscheidung zu treffen. Eine reine Zustimmungslösung gibt es innerhalb des Eurotransplant-Verbunds nicht. In diesen Ländern gilt die so genannte erweiterte Zustimmungslösung. Das heißt: Falls keine Dokumentation der Entscheidung der verstorbenen Person vorliegt, werden die nächsten Angehörigen oder Bevollmächtigten im Fall der Fälle gebeten, im Sinn der verstorbenen Person über eine Organ- und Gewebespende zu entscheiden.

  • Entscheidungslösung: Sie stellt eine Abwandlung der erweiterten Zustimmungslösung dar. Hier sollen die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig mit neutralen und ergebnisoffenen Informationen versorgt werden, damit sie eine sichere Entscheidung für oder gegen die Organ- und Gewebespende treffen können.

  • Widerspruchlösung: Hat die verstorbene Person einer Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, zum Beispiel in einem Widerspruchsregister, können Organe zur Transplantation entnommen werden. In einigen Ländern haben die Angehörigen das Recht, einer Organentnahme bei der verstorbenen Person zu widersprechen, sollte keine Entscheidung der verstorbenen Person vorliegen.

  • Reziprozitätslösung: Bei der sogenannten Reziprozitätslösung erhält derjenige, der sich selber als potenzieller Spender registrieren lässt, im Gegenzug im Krankheitsfall bevorzugt selber ein Organ. Das würde einen Anreiz erhöhen, sich als Spender registrieren zu lassen und gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil Trittbrettfahren verhindert wird.

Weitere Informationen rundum das Thema Organspende finden Sie auch hier:

 

mala/dpa

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