Bäckereien im Norden lassen symbolisch Lichter ausgehen

Die Bäcker in ganz Norddeutschland wollen am Donnerstag symbolisch die Lichter ausgehen lassen. Angesichts der explodierenden Energiepreise fühlen sie sich vor allem von der Politik im Stich gelassen. Mit der Aktion wollen sie darauf aufmerksam machen, dass ohne Hilfen die Existenz vieler handwerklicher Bäcker:innen bedroht ist. „Uns geht das Licht aus – Heute das Licht und morgen der Ofen?“, heißt es in dem Aufruf zu der Aktion, bei der in den Verkaufsräumen kein Licht brennen soll. Der Verkauf gehe währenddessen „selbstverständlich weiter“.

Leere Regale und Backformen stehen in einer Bäckerei. Foto: Harald Tittel/dpa

In den fünf Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind nach Innungsangaben rund 800 Handwerksbäckereien mit vielen Tausend Verkaufsfilialen organisiert. Sie bildeten mit Betriebsgrößen vom Kleinstbetrieb bis zu Betrieben mit weit über 1.000 Mitarbeiter:innen die mittelständische Wirtschaft ab. „Gerade dieser Mittelstand ist derzeit in seiner Existenz bedroht.“

Die Bäckereien fühlen sich von den enorm gestiegenen Energiepreisen besonders getroffen, weil ihre Produktion mit Backöfen und Kühlanlagen besonders energieintensiv sei. „Eine – wie Expert:innen derzeit für mittelgroße Betriebe voraussagen – Versiebenfachung des Gaspreises und eine Vervierfachung des Strompreises bis 2023 können die Bäckereien nicht alleine auffangen“, argumentieren sie. „In etwa 70 Prozent der Bäckereien sind Gasöfen in der Nutzung.“

Bäckerein fühlen sich „Kosten-Tsunami“ ausgesetzt

Weil zudem wegen des angehobenen Mindestlohns die Personalkosten stiegen und sich die Preise für Mehl und andere Rohstoffe deutlich erhöht hätten, fühlen sich die Bäckereien einem „Kosten-Tsunami“ ausgesetzt, wie es in einem Papier des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks heißt. Demnach können die „die dramatischen Kostensteigerungen nur begrenzt an Kund:innen weitergeben, weil sie sich im harten Preiswettbewerb mit der Industrie befinden“.

Besonders erzürnt den Handwerkszweig, der in der Coronakrise als systemrelevant anerkannt wurde, dass seine Betriebe keine Zuschüsse aus dem Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP) des Bundes beantragen könnten. Denn sie stünden anders als viele andere Wirtschaftszweige nicht auf der Liste förderungsfähiger Unternehmen. Die Aufnahme in das EKDP müsse dringend nachgeholt werden, fordern die Bäcker:innen seit Wochen. „Es kann nicht angehen, dass die Herstellung von zum Beispiel Wermutwein oder Tapeten förderfähig, Bäckereien aber ausgeschlossen sind.“

Mit dpa

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