Angst vor Eskalation? Kabarettistin Lisa Eckhart von Hamburger Literaturfestival ausgeladen

Freiwillig verzichten wollte sie nicht. Deswegen ist die umstrittene Kabarettistin Lisa Eckhart von einem Literaturfestival in Hamburg ausgeladen worden. Foto: PR-Eckhart

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart polarisiert. Nicht zuletzt, weil sie bei ihren Lesungen antisemitische Klischees ausschlachtet. Eigentlich sollte sie in diesem Jahr bei dem „Harbour Front Literaturfestival“ in Hamburg mit ihrem Programm auftreten. Nun wurde die Kabarettistin jedoch ausgeladen – wegen Sicherheitsbedenken. Eine Entscheidung, die für heftige Diskussionen im Netz sorgt.

Das „Harbour Front Literaturfestival“ holt die Welt der Literatur an den Hamburger Hafen und gehört mittlerweile zu den bedeutendsten deutschen Literaturfestivals. Trotz Corona soll das Festival auch in diesem Jahr zahlreichen Künstler*innen eine Bühne bieten. Bei dem Festival hätte auch Lisa Eckhart am 14. September im Club „Nochtspeicher“ lesen sollen. Auf der Homepage wurde die Veranstaltung noch samt Einleitung angekündigt. Nun prangt dort in fetten Buchstaben „Leider muss die Veranstaltung entfallen“.

Angst vor dem „Schwarzen Block“

Der Auftritt der 27-Jährigen musste nun weichen, weil man anscheinend Angst vor Randale hat. Der Festival-Veranstalter Nikolaus Hansen erklärt dazu, dass sich die Club-Besitzer vom „Nochtspeicher“ bei den Organisatoren gemeldet hatten. Man sehe sich nicht dazu in der Lage, im Falle einer Lesung die „Sicherheit der Besucher und der Künstlerin“ zu gewährleisten. Sollte die Veranstaltung stattfinden, habe der „Schwarze Block“ bereits mit einer Gewaltanwendung gewarnt. Auch unter Polizeischutz könne eine Eskalation nicht abgewendet werden, so Hansen. Der Hamburger Club liegt mitten in St. Pauli und mache somit von seinem Hausrecht Gebrauch.

„Das ist keine politische Entscheidung gegen Eckhart“

Die Veranstalter haben die Künstlerin gebeten, sich freiwillig aus dem Wettbewerb zurückzuziehen. Dazu sollen Eckhart und ihr Verlag jedoch nicht bereit gewesen sein. Deswegen habe das Festival-Team ihr absagen müssen. Nikolaus Hansen unterstreicht in diesem Zuge: „Das ist keine politische Entscheidung gegen Eckhart“. Das Festival-Team stehe vor einer „extrem kontroversen Gemengelage“. Denn vor dem „Nochtspeicher“ sollen sich nacheinander zwei Autoren geweigert haben, gemeinsam mit der umstrittenen Künstlerin im „Debütantensalon“ aufzutreten. Dieser findet schon seit vielen Jahren in dem Hamburger Club statt. Bei dem „Debütantensalon“ kämpfen acht Autor*innen um den mit 10.000 Euro dotierten Klaus-Michael Kühne-Preis. Aufgrund der vielen Absagen und den Sicherheitsbedenken des Clubs habe sich die Leitung schlussendlich für diesen Schritt entschieden. „Wir sind nicht glücklich mit der Lage. Aber wir müssen hier das Gesamtgefüge und die Fairness berücksichtigen“, erklärt Hansen.

Kritik von antisemitischen Klischees

Die mehrfach preisgekrönte österreichische Künstlerin gilt als dauerhaft-explosive Institution. Kritiker werfen ihr vor, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Zuletzt sorgten Zitate aus einem Auftritt für die Sendung „Mitternachtsspitzen“ (WDR) für heftige Proteste. Die Protestaktionen gegen die Kabarettistin und ihre Arbeit sorgen nun auch im Netz für aufgeregte Diskussionen. Comedian Dieter Nuhr schreibt bei Facebook „Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf.(…)“.

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Ebenso hat das Ausladen von Eckhart eine Debatte über Meinungsfreiheit im Kabarett losgetreten.

Das Festival-Team ist weiterhin mit den Beteiligten und Lisa Eckhart im Gespräch, um weitere Möglichkeiten auszuloten. Im Hamburger Literaturhaus sei die Kabarettistin jedoch nach wie vor fest als Programmpunkt eingeplant.

 

Marit Langschwager

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