Alltag einer Pflegekraft: ProSieben räumt Programm für siebenstündige Doku #nichtselbstverständlich

Was die Zuschauenden am Mittwochabend bei den Kolleginnen und Kollegen von ProSieben zu sehen bekommen haben, war wohl nicht weniger als ein historisch einmaliges TV-Ereignis. So betitelten es Deutschlands Medien noch am selben Abend. Eine symbolische Respekt-Kundgebung für die Pflege. Ein Thema, das uns alle betrifft.

Aus „Joko & Klaas LIVE“ wurde eine Sieben-Stunden- Respekt-Kundgebung für Pflegekräfte. Screenshot: facebook.com/ProSieben

In der Sendung „Joko und Klaas gegen ProSieben“ können sich die beiden Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf 15 Minuten Live-Sendezeit zur freien Verfügung erspielen. In der Vergangenheit haben sie bewiesen – entgegen einiger Erwartungen – dass sie diese Zeit auch durchaus sinnvoll und für wichtige Themen nutzen (Kapitänin Pia Klemp vom beschlagnahmten Schiff „Iuventa 10“ kam zu Wort oder in der fiktiven Ausstellung „Männerwelten“ wurde sexuelle Gewalt gegenüber Frauen thematisiert, um nur wenige Beispiele zu nennen).

Aus 15 Minuten wurden 7 Stunden ohne Werbeunterbrechung

Am Dienstag haben sich Joko und Klaas wieder Sendezeit erspielt, doch aus der üblichen Viertelstunde wurde am Ende ein sieben Stunden langes Statement, für das ProSieben den ganzen Mittwochabend freigeräumt und beliebte Serien aus dem Programm geworfen hat. Dank CosmosDirekt und der Deutschen Telekom konnte die Sendung sogar komplett werbefrei gesendet werden.

Die Zuschauenden konnten Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista während einer kompletten Schicht im Knochenmark-Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Münster begleiten. Ista trug eine Bodycam, sodass man einen ungefilterten und ungeschnittenen Einblick in ihren Arbeitsalltag erhielt. Lediglich sensible Daten wie Namen wurden in der Nachbearbeitung mit einem Piepton unkenntlich gemacht. Zudem wurden in der Sendung weitere Pflegekräfte aus ganz Deutschland im Splitscreen eingeblendet (während Meike Ista weiter mit ihrer Bodycam sendete), die berichteten, wie sich ihr Arbeitsalltag darstellt. Fröhliche und traurige Geschichten, die eines eint: fehlende Wertschätzung und die Frage, wie wir die Pflege menschlicher machen können – für die Kranken und Alten, aber vor allem auch für die Pflegekräfte hierzulande.

Krankenpfleger aus Hildesheim: Unsere Verantwortung ist hoch

Einer dieser Pflegekräfte, die man dort im Splitscreen zu sehen bekam, war Krankenpfleger Alexander Jorde aus Hildesheim. „Wir können nicht sagen: Morgen machen wir mal die Klinik zu oder morgen ist die Intensivstation mal zu und wir gehen auf die Straße. Dann sterben Menschen! Das zeigt ja wieder, wie hoch unsere Verantwortung ist. Aber es begrenzt uns eben auch in unseren Möglichkeiten, unsere Interessen durchzusetzen,“ so Jorde.

#nichtselbstverständlich: Diskussion in Sozialen Medien

Auch in den sozialen Netzwerken entbrannte schnell eine Diskussion über die Umstände in der Pflege. Innerhalb weniger Minuten schoss der Hashtag #NichtSelbstverständlich auf Platz 1 der Twitter-Trends in Deutschland und sprang in der Nacht über die Marke von 39.000 Tweets. „Wenn eine Schicht im Krankenhaus mehr sagt als Angela Merkel in einem ganzen Interview“ oder „Ich will keine Worte mehr, ich will Taten. Die @spdde ist Teil der Bundesregierung. Du bist Vizekanzler @OlafScholz. Worauf warten wir? Wann, wenn nicht jetzt? Hört auf zu reden. Handelt! Wir haben keine Zeit mehr“, konnte man auf dem Profil von Alexander Jorde lesen.

„Sich in ein Leben hineinversetzen, das nicht das eigene ist“

„Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist“, so die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. „Das funktioniert aber auch nur, wenn jemand bereit ist, seine Welt zu öffnen und mit Geduld und Beharrlichkeit, vielleicht schon zum wiederholten Mal, bereit ist zu sagen, was es braucht, dass sich etwas zum Guten ändert.“ Und nur mit einer gewissen Lautstärke komme die Botschaft bei denen an, die sie bislang leider viel zu oft überhört hätten. Auch ProSieben-Chef Daniel Rosemann hofft, dass sie „gemeinsam einen Beitrag leisten konnten, um auf die Missstände im Pflegeberuf in Deutschland aufmerksam zu machen, um eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen.“

 

Gloria Saggau

Sie haben die Sendung am 31. März verpasst? Hier können Sie noch einmal einen 33 Minuten langen Zusammenschnitt des siebenstündigen Statements ansehen:

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