AfD will umstrittene Spiel-Methode „Original Play“ in Kitas verbieten

Kitaspielplatz. Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

Die Nord-AfD fordert das Verbot einer umstrittenen Spiel-Methode zwischen Kindern und fremden Erwachsenen auch in schleswig-holsteinischen Kitas.

Beim „Original Play“ könne es zu Grenzüberschreitungen und sexuellem Missbrauch kommen, sagte der AfD-Bildungspolitiker Frank Brodehl. Er kündigte eine entsprechende Landtagsinitiative an. Mehrere Bundesländer, darunter Hamburg, Bayern und Berlin, haben die Methode des Amerikaners Fred Donaldson verboten oder abgelehnt.

Methode sei wissenschaftlich und entwicklungsbiologisch nicht fundiert

Laut Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD liegen der Regierung bislang keine Erkenntnisse über „Original Play“-Kurse in Kitas oder Missbrauchsfälle im Norden vor. Das Landesjugendamt komme zu dem Schluss, dass ein pädagogischer Mehrwert nicht gesehen werde, „sondern im Gegenteil die Methode unter pädagogischen Gesichtspunkten und mit Blick auf das Kindeswohl sehr kritisch zu bewerten ist“.

Die führende Bindungsforscherin und Psychologin Fabienne Becker-Stoll warnte in der Wochenzeitung DIE ZEIT vor dem Programm „Original Play“. „Die Methode sei wissenschaftlich und entwicklungsbiologisch nicht fundiert“, sagt Becker-Stoll, die das bayerische Staatsinstitut für Frühpädagogik in München leitet. „Es läuft allen seelischen und physischen Grundbedürfnissen von Kindern zuwider.“

„Original Play“ als Anti-Aggressions-Therapie? 

Zwei evangelische Kitas in Hamburg und Berlin hatten laut „Spiegel“ die Methode “Original Play“ ausprobiert. Foto: Pixabay

Innerhalb des Programms „Original Play“ finden in Kitas sogenannte Spieletreffs statt, in denen fremde Menschen mit den Kindern toben und rangeln. Hinter dem Programm steht der US-Amerikaner Fred O. Donaldson, der sagt, sein Konzept diene dazu, Aggressionen bei Kindern abzubauen und Beziehungen zu Erwachsenen zu stärken. Becker-Stoll setzt dem entgegen: „Gesund entwickelte Kinder suchen keinen Körperkontakt mit Fremden.“ Kinder regulieren ihre Emotionen innerhalb vertrauter Bindungsbeziehungen. Nur so könnten sie Sicherheit tanken.

Weiter berichtet DIE ZEIT, dass grundsätzlich Kitas sehr verantwortlich prüfen müssten, welche Angebote sie überhaupt in ihre Arbeit aufnehmen. Man müsse sicherstellen, dass nur qualifizierte pädagogische Kräfte mit den Kindern in Kontakt kommen und „dass niemand ohne Führungszeugnis in der Einrichtung arbeitet“.

Einrichtungen sind informiert

Alle Träger von Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen seien über diese Bewertung informiert worden. Dies solle bei den Bewertungen vor Ort insbesondere mit Blick auf Kinderschutzaspekte berücksichtigt werden.
Brodehl bezeichnete dies als nicht ausreichend: „Wir fordern die Landesregierung vielmehr dazu auf, jede Form von „Original Play“ an den Kitas in Schleswig-Holstein umgehend zu verbieten. Jedes weitere Zuwarten wäre hier unverantwortlich.“

Kürzlich hatte das ARD-Magazin „Kontraste“ über „Original Play“ in einer evangelischen Kita in Berlin berichtet. Zwei evangelische Kitas in Hamburg und Berlin hatten laut „Spiegel“ die Methode ausprobiert. In beiden soll es zu Übergriffen und Fehlverhalten gekommen sein. Die Staatsanwaltschaften hätten die Ermittlungen eingestellt, weil sich der Verdacht nicht bestätigen ließ, berichteten Spiegel und Kontraste.

> Kompletter DIE ZEIT-Artikel im Presseportal 

dpa/DIE ZEIT

Copy LinkCopy LinkShare on MessengerShare on Messenger
Zur Startseite