Zahl der Gewaltdelikte gesunken – Mehr Messerangriffe

Die gesellschaftliche Verrohung wird man nur gesamtgesellschaftlich lösen können, sagte Innenministerin Magdalena Finke (r). Felix Müschen/dpa
Die gesellschaftliche Verrohung wird man nur gesamtgesellschaftlich lösen können, sagte Innenministerin Magdalena Finke (r). Felix Müschen/dpa

Kiel (dpa/lno) –

Die Zahl der Gewaltstraftaten ist in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr nach Polizeiangaben gesunken – gleichzeitig hat die Zahl der Messerangriffe weiter zugenommen. So erfasste die Polizei 6.329 Fälle von Gewaltkriminalität, wie Innenministerin Magdalena Finke (CDU) bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik sagte. Das entspricht einem Absinken um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei lag die Aufklärungsquote in dem Bereich bei 80,8 Prozent. 

Gewaltverbrechen machten 3,5 Prozent aller Straftaten aus. Insgesamt sank die Zahl der Delikte 2025 um 16,2 Prozent auf 178.923 Fälle. Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 57,7 Prozent. «Damit sinkt sie zwar im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent, ist aber im Langzeitvergleich nach wie vor hoch», erklärte Finke.

Aus Sicht der Innenministerin spreche dies für gute Ermittlungsarbeit und das hohe Engagement der Landespolizei. «Ich bedanke mich daher ausdrücklich bei allen Polizistinnen und Polizisten, bei allen Verwaltungsbeamtinnen und Beamten, bei den Tarifbeschäftigten, bei der Justiz, die zur Aufklärung dieser Straftaten und zum Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger beigetragen haben», betonte sie.

Anstieg bei Messerangriffen

Die Zahl der Messerangriffe stieg jedoch laut der Statistik im nördlichsten Bundesland. Im vergangenen Jahr zählte man 1.282 Fälle – ein Anstieg um 8,0 Prozent im Vergleich zu 2024. Von den Tatverdächtigen waren 84,8 Prozent männlich, 58,8 Prozent hatten die deutsche Staatsangehörigkeit.

«Von den insgesamt 1.605 Opfern wurden 11 Menschen getötet und 77 schwer verletzt», sagte Finke. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeige, dass die überwiegende Anzahl der Taten im öffentlichen Raum stattfindet. Dabei war ein «erschreckender Anteil» der Tatverdächtigen minderjährig: 5,3 Prozent der Messerangreifer waren Kinder, 13 Prozent Jugendliche. 

«Die gesellschaftlichen Spannungen und die Radikalisierung merken unsere Einsatzkräfte auch auf der Straße», betonte die Ministerin. Der Ton in der Gesellschaft sei rauer geworden, was sich auch an der Zunahme von Messerangriffen zeigt. Um dem entgegenzuwirken, braucht es laut Finke eine Mischung aus bestehenden Verboten, Präventionsarbeit und erweiterten Polizeibefugnissen. Vor allem aber sei ein gesellschaftliches Umdenken nötig, denn Messer gehörten nicht in die Öffentlichkeit.

Mehr Betroffene von häuslicher Gewalt

Im Bereich der häuslichen Gewalt stieg die Zahl der Opfer um 3,7 Prozent auf 9.709. Dabei waren 70,7 Prozent der Betroffenen weiblich. «Jede Frau hat das Recht, frei von Angst und Bedrohung zu leben», betonte Innenministerin Finke. 

Dabei wurden für den Schutz von Frauen vor Gewalt wichtige Maßnahmen, wie etwa die Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung, umgesetzt. Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei müsse daher im kommenden Berichtszeitraum zu prüfen sein, wie wirksam diese neuen Instrumente tatsächlich sind.

Weniger Gewalt gegen Polizisten

Im Jahr 2025 sank die Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte auf 1.636 Fälle. Laut der Innenministerin entspricht das einem Rückgang von 6,6 Prozent. «Auch wenn die Zahlen in dem Jahr 2025 leicht zurückgegangen sind, ist für uns ganz klar, dass Gewalt gegenüber Menschen, die für unsere Sicherheit und unsere Gesundheit sorgen, inakzeptabel ist und auch immer ein Angriff auf die Grundfeste unseres Zusammenlebens und unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts», sagte Finke.

Maßnahmen wie Strafverschärfung, bessere Schutzausstattung wie etwa die Einführung von Bodycams und Taser seien hilfreiche Maßnahmen. Finke betonte: «Allerdings wird man die gesellschaftliche Verrohung, die sich auch hier zeigt, nur gesamtgesellschaftlich lösen können.»

Weitere Entwicklungen

Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt erneut einen leichten Rückgang bei der Kinder- und Jugendkriminalität. 2025 zählte man 9.038 tatverdächtige Kinder und Jugendliche, im Vorjahr waren es noch 9.673. Das Innenministerium in Kiel betonte, wie wichtig es sei, junge Menschen frühzeitig zu erreichen, um Gewalt vorzubeugen. Dafür müssten Polizei, Schule, Jugendamt und soziale Träger eng zusammenarbeiten.

Zudem geht aus der Statistik hervor, dass die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zurückgegangen sind. Insgesamt wurden 3.339 Fälle registriert, ein Rückgang zum Vorjahr um 5,2 Prozent. Dabei beträgt die Aufklärungsquote im nördlichsten Bundesland 87,1 Prozent. 

Ebenso ging die Zahl der Eigentumsdelikte zurück, die weiterhin den größten Anteil an der Gesamtkriminalität stellen. Im vergangenen Jahr erfasste das Innenministerium 62.522 Diebstähle – 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Zudem nahmen die Wohnungseinbrüche erneut ab: «Mit nur 2.486 Taten im Jahr 2025 lagen die Fallzahlen lediglich im Corona bedingten Rekordjahr 2021 noch niedriger», sagte der Leitende Kriminaldirektor des Landeskriminalamtes, Stephan Marks.

Knapp 26.000 Auslandstaten – größtenteils Betrugsdelikte

Auch 2025 war laut Marks ein erheblicher Aufwand nötig, um Verfahren zu bearbeiten, bei denen Täter aus dem Ausland handelten – etwa über das Internet oder per Telefon. «Eine Besonderheit besteht darin, dass diese Taten nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst werden können, da sie keine Tathandlung in Schleswig-Holstein aufweisen», sagte er. In einer Sonderstatistik seien knapp 26.000 solcher Auslandstaten registriert worden – größtenteils Betrugsdelikte.

Beliebte Methoden sind der Schockanruf nach einem angeblichen Verkehrsunfall, der Enkeltrick oder Anrufe von falschen Polizisten. Marks erklärte: «Die Anzahl vollendeter Taten ist zuletzt trotz intensiver Präventionsarbeit und europaweit abgeschlossen Bekämpfungsmaßnahmen wieder gestiegen.» Allein beim Phänomen der falschen Polizisten wurden 2025 insgesamt 45 vollendete Taten registriert, die einen Schaden von 2,8 Millionen Euro verursachten.

© dpa-infocom, dpa:260312-930-806043/3

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