61-jährige „Reichsbürgerin“ aus Lüneburg muss dreieinhalb Jahre in Haft

Wegen einer Reihe von Straftaten ist eine 61-Jährige aus der sogenannten Reichsbürger-Szene zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Lüneburg folgte damit am Dienstag der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsschutzkammer sah es als erwiesen an, dass die Frau den organisatorischen Zusammenhalt des verbotenen Vereins „Geeinte deutsche Völker und Stämme“ förderte, mit dem Ziel, ein eigenes staatliches System zu errichten. Der Verein wird der extremistischen Reichsbürgerbewegung zugerechnet, seine Ideologie richtet sich gegen Ausländer:innen sowie Jüdinnen und Juden. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, sagte eine Gerichtssprecherin.

Die Angeklagte (r) steht im Saal vom Landgericht neben ihrem Verteidiger, Norbert Lösing. Foto: Philipp Schulze/dpa/Archivbild

Am ersten Prozesstag hatte die 61-Jährige ihre umfangreichen Tätigkeiten eingeräumt. So gab sie zu, sich unter falschem Namen als Rechtsanwältin ausgegeben zu haben. Sie erkenne die staatlichen Systeme nicht an und sehe die Bundesrepublik als Firma. Unter anderem stellte sie sogenannte Lebendurkunden für 200 Euro als Alternative zu Personalausweisen für ihre Anhänger:innen aus. Die Frau sitzt seit Mai in Untersuchungshaft.

Sie musste sich auch wegen des Verwendens und Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Missbrauchs von Berufsbezeichnungen verantworten. In der Verhandlung hatte sie gesagt, sie sei gegen jede Gewalt. Nach Angaben der Gerichtssprecherin hatte der Verteidiger kein konkretes Strafmaß gefordert. Er habe die Kammer gebeten, zu berücksichtigen, dass seine Mandantin aus tiefster Überzeugung gehandelt habe.

Mit dpa

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